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Eigentlich wollte Karsten seiner gehbehinderten Nachbarin ja nur den Inhalt ihres Briefkastens nach oben bringen. Doch so einfach ist das nicht. Die alte Dame ist meisterlich darin, jemanden in ein Gespräch zu verwickeln. Obwohl... Gespräch ist relativ. Das, was sich dort abspielt, sollte man besser als Monolog bezeichnen. „Die ist mal wieder vom Hundertsten ins Tausendste gekommen“, wird Karsten später berichten.
Wer vom Hundertsten ins Tausendste kommt, der kommt beim Sprechen vom eigentlichen Thema oder Problem ab, redet sinnfrei drauflos und verliert sich in Details. Er lässt keine Umschweife aus, kann sich nicht kurz fassen und verliert immer wieder den roten Faden. Ursprünglich lautete die Wendung „das Hundert ins Tausend werfen“ und hatte die Bedeutung „Verwirrung stiften, durcheinander kommen“. Der lutherische Theologe und Reformator Johann Agricola beschreibt dies 1529 wie folgt: „Wer nun hundert zu tausent wirfft, vnd rechnet nicht darzwischen die andern hundert, der macht es so, daß niemand weiß, was er rechnet oder redet. Darumb wirt diß wort gebrauchet widder die, so vil gewesch machen, vnd sagen vil, sie aber selbs wissen nicht, wo es hat angefangen, oder wo sichs endet, die es hören, auch nicht.“ Daraus geht auch die Herkunft der Redensart hervor. Ab dem 15. Jahrhundert war das unter anderem von Adam Ries ausführlich beschriebene „Rechnen auf Linien“ gebräuchlich. Dazu bediente man sich Rechenbrettern, auf denen sich mindestens vier waagerechte Linien für die Einer-, Zehner-, Hunderter- und Tausenderstelle befanden. Eine Zahl ließ sich mit Hilfe von Marken, sogenannten Rechenpfennigen, darstellen, das Rechnen erfolgte durch das methodische Verschieben der Pfennige über die Linien. Lagen ein Rechenpfennig auf der Einerlinie und drei auf der Hunderterlinie, so ergab sich daraus die Zahl 301. Um Verwechslungen vorzubeugen, war die Tausenderlinie in der Regel durch ein Kreuz gekennzeichnet. Trotzdem kam es immer wieder dazu, dass jemand die Hunderter- mit der Tausenderlinie vertauschte. Dieser Rechenfehler liegt der Redensart zugrunde. Als die Rechenbänke im 17. Jahrhundert außer Gebrauch kamen, geriet auch der Bezug der Redensart zu ihnen in Vergessenheit. Fortan verband sich mit der Wendung die Vorstellung, dass es sich um hundert und tausend Dinge handelte, auf die man während einer Unterhaltung zu sprechen kam. So muss es auch Karsten im Gespräch mit seiner Nachbarin empfunden haben. Zuerst ging es wie jeden Tag ums Essen, dann um die Katze der alten Dame und anschließend um ihre Tochter, die sie ja viel zu selten besuchen kommt. Nach gefühlten 100 Minuten klingelte bei Karsten zum Glück das Telefon und er war erlöst... Schrammses I. |
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| hundertste ins tausendste, phrasenpharao, redensart, redewendung, schrammses |
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