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Alt 01.11.2011, 10:20
Stefan Schramm Stefan Schramm ist offline
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Standard Sie steht mit dem Rücken zur Wand

Hannah mag diese Glücksspiel-Automaten. So sehr, dass sie gar nicht mehr davon loskommt. Euro um Euro landete in der Slotmachine, die nicht umsonst den Namen „Einarmiger Bandit“ trägt. Denn nur einen kleinen Teil des stattlichen Sümmchens erblickte Hannah wieder. Trotzdem hofft sie weiter auf den großen Gewinn, rennt jedes Wochenende ins Casino. Auch ihre Ersparnisse hat sie bald aufgebraucht, muss aber bald wieder ihre Wohnungsmiete zahlen. Lange ignorierte Hannah, dass sie Hilfe braucht, doch dann erkennt sie: „Ich stehe mit dem Rücken zur Wand!“

Interessant an dieser Redensart ist besonders ihr Bedeutungswandel. Borchardt, Wustmann und Schoppe führen in ihrem Werk „Die sprichwörtlichen Redensarten im deutschen Volksmund nach Sinn und Ursprung erläutert“, das Ende des 19. Jahrhunderts erschien, noch die Wendung „mit dem Rücken an die Wand kommen“ an. Sie sahen die Herkunft der Redensart in der Fechtersprache, denn schließlich sucht der Angegriffene an der Wand Deckung. Dort kann er aus sicherer Position agieren. Niemand kann ihm „in den Rücken fallen“. Diese Bedeutung kennt auch DNN-Leser Wolfgang Kitzing, der uns gegenüber mitteilte: „In meiner Jugend galt dieser Ausdruck für eine Verteidigungslage, bei der man sich den Rücken gegenüber den Angreifern frei halten konnte.“

Heutzutage wird die Redensart zumeist so interpretiert, dass sich jemand in einer fast ausweglosen Situation oder einer Notlage befindet. Dann steht der bildliche Ausdruck für eine Person, die in großer Bedrängnis ist und sich nur noch mühsam verteidigen kann. Dies ist so ziemlich das genaue Gegenteil der ursprünglichen Bedeutung, in der die Wand ja noch einen Vorteil für die Defensive bedeutete. Nun liest man heraus, dass jemand auf verlorenem Posten ist. Die Wand sieht man also in erster Linie als Hindernis, das ein weiteres Zurückweichen verhindert. Denn Derjenige, der einst seinen Gegner in die Ecke trieb, nahm ihm die Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeiten.

Eine mögliche Ursache für diesen veränderten Inhalt liegt in der unbewussten Vermischung mit anderen Redensarten, in denen die Wand tatsächlich eine negative Bedeutung hat. So wusste jeder Soldat, was bedeutet, wenn man jemanden „an die Wand stellen lässt“: Dieser Jemand sollte dann erschossen werden. Und wenn Handballer oder andere Sportler ihre Gegner „an die Wand spielen“, dann treiben sie diese extrem in die Enge, sind also sehr überlegen.

Auch der Einarmige Bandit steht übrigens im wahrsten Sinne mit dem Rücken zur Wand. Nur agiert er im Unterschied zu seiner besten Kundin Hannah aus sicherer Position.

Schrammses I.
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