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Alt 24.10.2011, 21:35
Stefan Schramm Stefan Schramm ist offline
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Standard Etwas läuten hören, aber nicht zusammenschlagen

Das war die Nachricht des Tages für Simone. Am Gartenzaun hat sie gehört, dass sich ihre Nachbarn schon wieder über das Thema Autokauf unterhalten. Gleich erzählt sie ihrem Mann Raimund davon: „Stell dir vor, ich glaube, die holen sich bald den nächsten Mercedes.“ Ein paar Tage später kommt dann Raimund selbst mit seinem Nachbarn auf das Thema zu sprechen und berichtet davon, was seine Frau ihm gesagt hat. Der Nachbar antwortet: „Ach, die hat nur mal wieder etwas läuten hören, aber nicht zusammenschlagen.“

Wer etwas hat „läuten hören, aber nicht zusammenschlagen“, der ist nicht komplett informiert. Er hat von einer Sache nur in Andeutungen erfahren und bestenfalls die Hälfte mitbekommen, über den entscheidenden Punkt ist er aber absolut nicht im Bilde. Oder er hat irgendwo zwar zugehört, aber die Sache nicht gänzlich erfasst. Jemandem ist also etwas zu Ohren gekommen, aber Genaues ist ihm unbekannt. Oder man hat etwas einem Gerücht entnommen, hat in der Hauptsache aber keine Ahnung. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man redensartlich „weiß, was die Glocke geschlagen hat“. Dann hat man Sachkenntnis und weiß Bescheid.

Die Redensart ist offenbar schon im 16. oder 17. Jahrhundert entstanden. Sie geht auf einen alten kirchlichen Brauch zurück, nach dem zum Hauptgottesdienst zunächst zweimal mit einer einzelnen Glocke geläutet wurde. Dadurch wusste man, wann es Zeit ist, sich fertigzumachen und loszugehen. Erst beim dritten Mal, am eigentlich maßgeblichen Gottesdienstbeginn, versetzte man sämtliche Glocken gemeinsam in Schwingung („zusammenschlagen“). Im Schlesischen sagte man: „A hat wull hieren loithen, ock nich zusammen schlon.“ Doch auch in Süddeutschland war die Wendung verbreitet. Wenn man etwas aufgeschnappt hat, sagt man heute meist verkürzt: „Ich habe da etwas läuten hören.“

Eine andere Variante der Redensart findet sich unter anderem beim Berliner Schriftsteller Friedrich Nicolai in den „Briefen, die neueste Literatur betreffend“ aus den 1760er Jahren. Darin heißt es, „der Verfasser habe die Glocken läuten gehört und wisse nicht, wo sie hängen“. Im Plattdeutschen kennt man eine ähnliche Version: „He heft wat lüde gehört, weet awer nich in welk Kärch“. Zur Erklärung dieser Variante vertreten Experten die These, dass der Wind den Schall verweht, so dass der Standort der Glocken schwer auszumachen ist.

Auch an Simones Gartenzaun muss es wohl ziemlich windig zugegangen sein. Denn beim Gespräch ihrer Nachbarn ging es nicht um den Kauf eines eigenen Autos, sondern darum, dass sich ein befreundetes Paar einen Mercedes zugelegt hatte. Aber sie musste ja gleich wieder alles an die große Glocke hängen…

Schrammses I.

Geändert von Stefan Schramm (24.10.2011 um 21:35 Uhr) Grund: typo
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Stichworte
etwas läuten hören, phrasenpharao, redensart, redewendung, schrammses


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