Moritz ist ein begeisterter Downhillfahrer. Es macht ihm einen riesigen Spaß, mit dem Fahrrad steile Hänge in unwegsamem Gelände herunterzufahren. Seine Freundin wünscht ihm gewohnheitsmäßig vor jeder Fahrt „Hals- und Beinbruch“. Ja, ist die denn eigentlich wahnsinnig?
Nein, denn wer jemandem „Hals- und Beinbruch“ wünscht, spekuliert nicht auf schwere Verletzungen, sondern hofft auf ein gutes Gelingen. Meistens kommt der Wunsch dann zum Ausspruch, wenn eine schwierige
Prüfung, ein gefährliches Vorhaben oder eine sonstige nicht leicht zu bewältigende Aufgabe bevorsteht.
„Hals- und Beinbruch“ geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den alten hebräischen Wunsch „hazlacha uwracha“ zurück, der übersetzt ins Deutsche „Glück und Segen“ bedeutet. Die Wörter sind verwandt mit den Verben „lehazliach“ („gelingen lassen“) und „lewarech“ (segnen“). Vor hunderten Jahren fand der Ausdruck den Weg ins Jiddische, die Sprache der Juden Ostmitteleuropas. Dort hieß er „hatslokhe u brokhe“, ließ sich aber noch genau so ins Deutsche übersetzen. Menschen, die der jiddischen Sprache nicht mächtig waren, missverstanden diese Worte als „Hals- und Beinbruch“.
Eventuell verballhornten sie den Wunsch sogar gezielt. Denn interessanterweise besteht auch ein Zusammenhang zum alten Aberglauben. Demzufolge nämlich bewirken gute Wünsche genau das Gegenteil, wenn man sie offen ausspricht. Um kein Unheil heraufzubeschwören und das Schicksal auszutricksen, kehrte man also die eigene Äußerung um und wünschte lieber schlechte Dinge.
Die Redensart stand dann Pate für einige ähnliche Kombinationen. Seefahrer wünschen sich „Mast- und Schotbruch“, Militärs einen „Kopf- und Bauchschuss“ und im Pilotenjargon heißt es „Holm- und Rippenbruch“. Letzteren hat Moritz übrigens sogar schon mal beim Downhillfahren davongetragen. Trotzdem kann er nicht davon lassen. Einmal ist ihm auch der Fahrradrahmen gebrochen. Doch der Hals soll heil bleiben!
Schrammses I.