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Alt 17.10.2011, 14:20
Stefan Schramm Stefan Schramm ist offline
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Standard In die Binsen gegangen

Die schönen Spätsommertage nutzte Stephan für einen Ausflug auf der Elbe - in einem Schlauchboot, das er sich von einem Freund geliehen hatte. Als er stromabwärts rund um Übigau geschippert war, bekam er einen riesigen Schreck: Hinter ihm hupte ein Schaufelraddampfer. Mit seinem kleinen Plastikpaddel versuchte er eiligst der Fahrrinne zu entfliehen. „Dabei ist es leider in die Binsen gegangen“, beichtete er seinem Kumpel bei der Rückgabe des Bootes.

„In die Binsen gehen“ hat ein relativ breites Bedeutungsfeld. Es kann einerseits heißen, dass etwas abhanden kommt oder verschwindet. Andererseits umschreibt man damit einen Fehlschlag oder ein Scheitern. Außerdem ist die Redensart mitunter in Gebrauch, wenn man ausdrücken möchte, dass etwas kaputtgeht. Kurzum: Irgendwas läuft gewaltig schief oder wird zunichte gemacht.

Binsen sind eine Gattung ausdauernder Gräser mit weltweit rund 300 Arten, von denen allein 29 in Deutschland vorkommen. Ihr kennzeichnendes Merkmal sind die festen, rundlichen und teils hohlen Blattspreiten. Auch der Begriff „Binsenweisheiten“ für eine allgemein bekannte Information spielt auf die einfache, knotenlose Form dieser Pflanzen sowie ihr weites Verbreitungsgebiet an. Doch warum kann auch etwas „in die Binsen gehen“? Zur Erklärung dieser im späten 19. Jahrhundert aufgekommenen Redensart sind mehrere Varianten im Umlauf.

Einer Möglichkeit zufolge stammt der Begriff aus dem Fischereiwesen. Aus Binsen, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften hervorragend als Flechtmaterial eigneten, stellten unter anderem die Ostpreußen Taschen, Matten, aber auch Fangkörbe her. In diesen Reusen verfingen sich Fische und Krebse, um anschließend in der Bratpfanne oder dem Kochtopf zu landen. Es bedeutete demnach ihr Ende, wenn sie in die Binsen gingen. Das könnte zur Entstehung der Redensart geführt haben. Außerdem dienten Binsen zum Ausbessern von Schadstellen an Dämmen oder Fachwerkhäusern. Wer in die Binsen gehen musste, hat damit also eventuell seine Notlage offenbart.

Nach einer anderen, häufig herangezogenen Herleitung gehörte die Wendung anfangs zur Jägersprache. Immer wieder konnten die Waidmänner beobachten, dass sich bejagte Wasservögel bei Gefahr instinktiv in ufernahe Schilfgürtel oder Röhrichtbestände, umgangssprachlich als die Binsen bezeichnet, zurückzogen. Sind die Wildenten also in die Binsen gegangen, waren sie für den Jäger und dessen Hund außer Reichweite. Gleiches galt für im Flug abgeschossene Vögel, die nicht mehr auffindbar waren, wenn sie dummerweise in die Binsen fielen.

Nicht mehr auffindbar war auch der Rest des Paddels bei der lustigen Bootspartie auf der Elbe. Stephan hatte in der Hektik wegen des nahenden Dampfers wohl zu forsch agiert und das Paddel zerbrochen, woraufhin es sich teilweise gen Hamburg verabschiedete. Aber vielleicht ist ja auch ein Teil in den Binsen hängengeblieben.

Schrammses I.
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Stichworte
in die binsen gehen, phrasenpharao, redensart, redewendung, schrammses


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