Dann gaben sie einfach Fersengeld!
Flinke Füße waren im Sommer bei einem Polizeieinsatz gefragt. Nahe der Ottomühle im Bielatal wollten zwei Bundespolizeibeamte zwei Männer kontrollieren. „Die Verdächtigen ließen es aber nicht so weit kommen und gaben Fersengeld“, war tags darauf in den DNN zu lesen. Ein Polizist verfolgte einen der Verdächtigen über Stock und Stein...
Gibt man Fersengeld, dann zeigt man sich nicht etwa sonderlich großzügig, sondern sucht das Weite. Im Zusammenhang mit einer solchen Flucht war in irgendeiner Weise Geld zu zahlen. Zwar ist die Redensart seit dem 13. Jahrhundert bezeugt, doch ihre Herkunft ist unklar. Fakt ist, dass es sich um einen alten Rechtsbegriff handelt.
Für den Ursprung infrage kommt eine überlieferte Sitte der Wenden, also der slawischen Bewohner an der Ostgrenze des Heiligen Römischen Reiches. Demnach hatten weibliche Angehörige dieser Völkerschaft „versne pennige“ zu zahlen, wenn sie ihren Ehemann verlassen wollten. Naheliegend ist hier die Ableitung vom Begriff „Färse“. Dabei handelt es sich um ein geschlechtsreifes, junges weibliches Rind, das noch kein Kalb geboren hat. Erst nach der ersten Niederkunft ist für diese Tiere das Wort „Kuh“ korrekt. Fersengeld wäre in diesem Fall eine Vergütung im Gegenwert einer Färse.
Eine zweite Möglichkeit ist die Herleitung von einem Rechtsbrauch der Alemannen und anderer deutscher Volksstämme. Danach musste jemand, der in einer Schlacht seine Mitkämpfer „im Stich ließ“ und dadurch in Lebensgefahr brachte, einen gewissen Geldbetrag zahlen, da er dem Feind die Fersen gezeigt hatte. Hier war tatsächlich der Teil des Fußes gemeint, da man Flüchtende nur von hinten sieht.
Beide Erklärungen sind historisch verbürgt. Das „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ vermutet die letztendliche Entstehung der Redensart in einem Volkswitz, der „die schnell abwechselnd sichtbar werdenden Fersen eines Entfliehenden mit springenden Geldstücken verglich“.
Springende Geldstücke waren letztendlich auch an der Ottomühle unterwegs, denn der von dem Polizisten verfolgte Mann entpuppte sich als Dieb, der seine Beute durch Hehlerei in Bares ummünzte. Sein Fersengeld aber reichte nicht. Der 36-Jährige sitzt nun für 15 Monate in Haft.
Schrammses I.
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