22.05.2012 23:14

Ein Angebot der Dresdner Neueste Nachrichten


Zurück   Forum von DNN-Online > Aktuelle Themen > Phrasenpharao Schrammses I. erklärt

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
  #1 (permalink)  
Alt 07.10.2011, 12:13
Stefan Schramm Stefan Schramm ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 28.07.2011
Beiträge: 106
Standard Das brennt mir schon lange auf den Nägeln!

Die letzte Mathe-Arbeit ist bei Paul absolut in die Hose gegangen. Vor mehr als einer Woche erhielt er die beiden mit Rotstift übersäten Blätter von seiner Lehrerin zurück - mit einer Fünf. Nun überlegt er, wie er das Desaster schonend seinen Eltern beibringen kann, denn in zwei Tagen muss die Zensur unterschrieben sein. Zum Glück hat sich noch eine glatte Eins aus einem Deutsch-Diktat dazugesellt. Nach dem stolzen Vorzeigen der Traumnote sagt er: „Du, Mutti, mir brennt da noch etwas auf den Nägeln...“

Wenn etwas „auf den Nägeln brennt“, dann handelt es sich um eine wichtige und dringende Angelegenheit. Diese Redensart umschreibt eine innere Notlage oder Situation der Ungeduld. Man möchte etwas unbedingt hinter sich bringen oder endlich eine Frage loswerden. Die Sache ist ganz akut und nicht mehr länger aufschiebbar. Belegt ist die Wendung erstmals im Jahre 1649. Johannes Gerlingius schrieb damals: „Die kertz ist auf den nagel gebrandt“. Und der Autor Celander verfasste 1718 die folgenden Zeilen: „So brennet ihm ... das Licht, wie man im Sprichwort zu reden pflegt, recht auf den Nagel“. Daraus zogen Experten ihre Schlüsse auf den Ursprung der Redensart.

Der meistverbreiteten Erklärung zufolge steckt die früher alltägliche Angewohnheit dahinter, mangels elektrischer Beleuchtung eine Kerze - aus Kostengründen handelte es sich häufig nur um einen kurzen Stummel - in der Hand zu halten. Ließ man sie über längere Zeit angezündet, so konnte es schon mal vorkommen, dass sie herunter bis auf die Fingernägel brannte. Spätestens dann war eiligst geboten, das Kerzenlicht zu löschen. Speziell bei Mönchen gab es den Brauch, sich kleine Wachskerzen auf die Finger zu kleben, um bei der Frühmesse besser lesen zu können. So erklärt sich auch, dass man früher sagte: „auf den Nagel, die Nägel brennen“. Aber Redewendungen sind eben einem ständigen Wandel unterzogen.

Die gleiche Bedeutung hat auch die Redensart: „unter den Nägeln brennen“. Hier könnte eine alte Foltermethode der Ursprung sein. Man legte entweder glühende Kohlestückchen auf die Fingerspitzen oder schob einen Kienspan unter den Fingernagel. Wurde dieser auch noch entzündet, so war das eine ganz schön schmerzhafte Angelegenheit. Der Bereich unter den Fingernägeln ist äußerst sensibel - das dürfte jeder wissen, der dort schon mal einen kleinen Splitter hatte. Vielleicht jedoch kommt für beide Varianten auch ein gemeinsamer Ursprung in Frage.

Logischerweise war es jedem lieber, wenn die brennende Kerze, die glühende Kohle oder der heiße Kienspan so schnell wie möglich wieder von den Fingerchen verschwand. Im übertragenen Sinne brennt es deshalb in eiligen Fällen noch heute auf oder unter den Nägeln. Als Pauls Mutti übrigens die Mathearbeit sah, rollten sich ihr vor Wut die Fußnägel hoch. Auch nicht sonderlich angenehm.

Schrammses I.

Geändert von Stefan Schramm (07.10.2011 um 12:15 Uhr) Grund: typo
Digg this Post!Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiTweet this Post!
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Stichworte
auf den nägeln brennen, phrasenpharao, redensart, schrammses, unter den nägeln brennen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist aus.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are an
Pingbacks are an
Refbacks are an


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Etwas auf die lange Bank schieben Stefan Schramm Phrasenpharao Schrammses I. erklärt 0 17.08.2011 12:01
Der hat ganz schön etwas auf dem Kerbholz! Stefan Schramm Phrasenpharao Schrammses I. erklärt 0 08.08.2011 10:27


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 23:14 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Friendly URLs by vBSEO
Copyright © 2005 - 2010 by DNN-Online