Überwind doch deinen inneren Schweinehund!
Der Schuppen in Olafs Garten ist schon längst keine Augenweide mehr. Schaufel, Rechen, Eimer und Besen liegen kreuz und quer herum. Der Putz bröckelt von den Wänden, in einer Ecke gammeln mehrere Jahre alte Walnüsse und Blumenzwiebeln vor sich hin. Das Fensterchen ist komplett von Spinnweben verhangen. Seine Frau Elvira mahnt ihn: „Seit zwei Monaten willst du dort schon Ordnung schaffen. Nun überwind doch deinen inneren Schweinehund und mach das endlich!“
Den inneren Schweinehund kennt jeder von uns, der sich in einen Sessel fallen ließ und dann plötzlich wieder aufstehen sollte. Dabei ist es doch so schön bequem auf dieser Sitzgelegenheit. Und der innere Schweinehund ruft deshalb unablässig, man solle doch noch ein Weilchen sitzen bleiben und danach am besten gleich noch einen weiteren Moment - und noch einen... Der innere Schweinehund steht dabei für mangelnde Motivation, Willensschwäche, Feig- oder Trägheit, die jemanden daran hindert, unangenehme Tätigkeiten auszuführen. Überwinden kann man ihn durch Selbstdisziplin. Aber das schreibt sich so einfach, denn es ist manchmal wirklich schwer, sich einen Ruck zu geben und sich aufzu- raffen.
Bereits in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts ist „Schweinehund“ als grobes Schimpfwort bekannt. Es geht auf den zur Wildschweinjagd eingesetzten Sauhund zurück. Dessen Aufgabe war, das Schwein bis zu dessen Ermüdung zu hetzen und dann festzuhalten, bis es der Jäger töten konnte. Wegen dieser unangenehmen Eigenschaften jener Hunde übertrug sich der Begriff auf unsympathische Menschen, die sich nicht regelgerecht verhalten und auch als Drecksack, Mistkerl oder Schuft bezeichnet werden. Der innere Schweinehund ist dementsprechend der einer Person innewohnende Antrieb, der sie dazu drängt, sich ebenso nicht regelgerecht zu verhalten.
In Gebrauch war die Redewendung schon in der Zwischenkriegszeit. Als der spätere westdeutsche SPD-Chef Kurt Schumacher den Begriff „innerer Schweinehund“ 1932 im Reichstag in den Mund nahm, wurde er prompt zur Ordnung gerufen. Im gleichen Jahr verwendete General Kurt von Schleicher, der damalige Reichswehrminister und spätere Kanzler, die Redensart in einer Rundfunkansprache im Zusammenhang mit soldatischen Tugenden.
Militärische Ordnung soll Olaf in seinem Schuppen zwar nicht herstellen, aber trotzdem hat er zwei mittelschwere Kampfeinsätze vor sich - zuerst gegen den inneren Schweinehund und dann gegen sein ganzes Gerümpel.
Schrammses I.
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