Sie gab mir leider einen Korb!
André findet Josi einfach nur bezaubernd. Schon seit Wochen hat der Gymnasiast ein Auge auf seine Mitschülerin geworfen und umgarnt sie bei jeder Gelegenheit. Lange Zeit fehlte ihm aber der Mut zum entscheidenden Schritt. Als er es dann endlich wagte, gab es eine große Enttäuschung. „Sie hat mir leider einen Korb gegeben“, berichtet André traurig.
Allgemein bedeutet diese Redensart, dass man zurückgewiesen wird. Im Speziellen kommt sie besonders dann zur Anwendung, wenn es um einen abgewiesenen Liebes- oder Heiratsantrag geht. Und das hat seine Ursache im Ursprung dieser Wendung, der in einer mittelalterlichen Sitte liegt. Es gibt viele überlieferte Geschichten und Zeichnungen, in denen es darum geht, wie ein umworbenes Fräulein einen liebestollen Freier in einem Korb per Seilwinde zum Fenster hochzieht. Wollte die Frau mit ihm nichts zu tun haben, lockerte sie zuvor den Korbboden, so dass er herausbrach und der Mann am Boden bleiben musste - oder, wenn es schlecht lief, aus größerer Höhe herabfiel. Deshalb hieß die Redensart zunächst „durch den Korb fallen“.
Darüber hinaus gab es diverse Bräuche im Zusammenhang mit Körben und dem Liebesleben. Nach alter französischer Sitte überreichte ein Bräutigam der Dame seiner Wahl einen verzierten Korb samt Inhalt. Sendete die Angebetete das Brautgeschenk später zurück, so gab sie ihm damit einen Korb. In Norddeutschland kannte man außerdem den Korbtanz. Dabei saßen die Mädchen auf einem Stuhl und hatten einen Korb in der Hand. Gab es zwei Bewerber, die eine Frau zum Tanz auffordern wollten, reichte sie ihrem Favoriten die Hand zum Tanz. Der andere Herr bekam den Korb zur Aufbewahrung, der ja beim Tanzen störte.
In weiteren Teilen Deutschlands war früher außerdem üblich, dass jemand, der sich auf Brautwerbung begeben wollte, dies zuvor über einen Mittelsmann dem Brautvater mitteilte. Dies gab dessen Familie etwas Bedenkzeit über den Be- werber. Lehnte man ihn ab, so stellte man an den Haus- oder Hofeingang einen Korb. Der war das bekannte Zeichen für den Freier, dass seine Versuche zwecklos sein würden. Hatte er von fern den Korb gesehen, konnte er sich sofort zurückziehen und dabei seine Ehre bewahren.
Möglicherweise bewirkten auch mehrere dieser Traditionen im Zusammenspiel, dass sich die Redensart herausbildete. André sollte jedenfalls froh sein, dass er in einer Zeit lebt, in der man die Körbe erhält und nicht mehr durch deren Boden nach unten plumpsen muss.
Schrammses I.
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