Der Bengel war frech wie Oskar!
Die Jugend wird immer unverschämter, pflegen betagtere Generationen schon seit Jahrhunderten über die Jüngsten zu sagen. Udo gehört zu den älteren Semestern und regte sich kürzlich über einen Grundschüler auf. Direkt vor ihm habe der Kleine auf seinem Schulweg ein Papier auf die Straße geworfen. Das fand Udo gar nicht gut und stellte das Kind zur Rede. „Da steckt dieser Kerl mir doch nicht etwa die Zunge raus und rennt weg. Der Bengel war frech wie Oskar“, schimpft Udo.
Gemeint ist damit natürlich, dass der junge Mann besonders dreist und keck ist. Wir haben es hier mit einer rund 100 Jahre alten Wendung zu tun, deren Herkunft nicht eindeutig zu klären ist. Möglich ist, dass das Vorbild für diese wohl in der Berliner Mundart zuerst aufgetretene Redensart eine bestimmte Person war. Eventuell handelte es sich dabei um den scharfzüngigen Theaterkritiker Oscar Blumenthal (1852-1917) oder den derben Leipziger Jahrmarktschreier Oskar Richard Seifert (1861-1932).
Ebenfalls nicht unwahrscheinlich ist eine Herleitung von Oskar im Sinne eines Allerweltsnamens, der so häufig war, dass man ihn auf alle Leute verallgemeinern konnte. Vormals populäre Vornamen spielen auch in anderen Redewendungen eine Rolle. So kennt man die Bummelliese, den strammen Max, die Heulsuse und den flotten Otto. Für diese These spricht, dass es auch Abwandlungen gibt, die nichts mit Frechheiten zu tun haben. Denn man kann auch „stolz wie Oskar“ sein, mancherorts auch „dumm wie Oskar“ oder man kann „glänzen wie Oskar“.
Einer dritten Variante zufolge geht „Oskar“ auf das jiddische Wort „ossok“ zurück, das „frech“ bedeutet. Ein „Ossoker“ ist demnach ein „Frecher“ und aus diesem Vergleich entstandene Redensart „frech wie Oskar“ somit eine Tautologie, also eine rhetorische Figur mit einer inhaltlichen Wiederholung. Wem diese Wendung nicht so zusagt, der hat übrigens genug Alternativen. So kann man sagen „frech wie Bolle“, „frech wie Dreck“ oder „frech wie ein Spatz“. Dem kleinen Rotzjungen kann man nur wünschen, dass er dem sonst gutmütigen Udo nicht so schnell wieder über den Weg läuft.
Schrammses I.
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