Da bist du ins Fettnäpfchen getreten!
Interkulturelle Kompetenzen zu besitzen, erweist sich in der Zeit globaler Vernetzung und internationaler Handelsbeziehungen immer mehr als unverzichtbar. Diese Erfahrung machte vor wenigen Tagen auch ein Dresdner Geschäftsmann, der im chinesischen Shenyang bei einem einheimischen Kollegen nach einer Besprechung zum Essen eingeladen war. „Ich brachte ihm und seiner Frau als Zeichen der Wertschätzung einen Strauß Blumen mit“, sagt der Unternehmer. Seine Gastgeber hätten jedoch merkwürdig darauf reagiert. Später erfuhr er, dass das für die Chinesen ein böses Omen war, denn mit Blumen ehrt man im Reich der Mitte nur Tote. Nun resümiert er: „Da bin ich in ein richtig übles Fettnäpfchen getreten!“
Wer redensartlich in ein Fettnäpfchen tritt, der hat sich ungeschickt und wenig sensibel verhalten oder geäußert, unabsichtlich einen bösen Fauxpas begangen und es sich möglicherweise dadurch mit seinem Gegenüber verdorben. Es gibt zwei Möglichkeiten zur Herkunft dieser Redewendung. Eine besagt, dass in alten Bauernhäusern manchmal kleine Fettlachen auf dem Boden entstanden, wenn das Fett vom Räucherfleisch herabtropfte, das an der Decke aufgehängt war. Mit Sicherheit war es wenig angenehm, in eine solche Pfütze hineinzutreten.
Was es jedoch mit dem Napf auf sich hat, vermag nur die andere Variante zu erklären. Ihr zufolge stand früher in den Häusern meist in der Nähe des Ofens ein kleiner Topf mit Stiefelfett. Damit konnte man seine nassen Schuhe einreiben, nachdem sie getrocknet waren. Ab und zu schaffte es jedoch der eine oder andere Tollpatsch, versehentlich in dieses Fettnäpfchen zu treten und dadurch Flecken auf den Dielen zu machen. Die Hausfrau war in der Regel alles andere als begeistert von solchen Aktionen.
„Keinen Fettnapf auslassen“ heißt heute, dass jemand alles falsch macht, was falsch zu machen ist. Ganz so schlimm erging es unserem Geschäftsmann auf Chinareise dann doch nicht. Denn vor seinem Besuch hatte man ihm einige Benimmregeln auf den Weg mitgegeben und gesagt, dass er den Hausherrn zuerst zu begrüßen hat und erst dann die Dame. Die Brüskierung der Gastgeber hielt sich also trotz der „Blumen-Affäre“ in Grenzen.
Schrammses I.
Geändert von Stefan Schramm (08.08.2011 um 10:30 Uhr)
Grund: typo
|