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Alt 28.07.2011, 16:48
Stefan Schramm Stefan Schramm ist offline
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Standard Lass dich bloß nicht ins Bockshorn jagen!

Das erste Mal im Leben musste Maik eine Steuererklärung ausfüllen. Und weil er arge Schwierigkeiten damit hatte, suchte er Rat bei einem Kumpel. Der sagte, Maik solle sich nicht vor der Abrechnung mit dem Fiskus drücken, denn so könne er viel Geld sparen. „Lass dich von den Finanzbeamten mit ihren ganzen Regelungen und Formulierungen bloß nicht ins Bockshorn jagen“, gab er Maik mit auf den Weg.

Wer sich ins Bockshorn jagen lässt, wird verunsichert, eingeschüchtert und in die Enge getrieben. Schon im 15. Jahrhundert war diese Redensart nachweislich bekannt, auch Martin Luther verwendete sie in seinen Schriften. Am einfachsten könnte man sie erklären, wenn man sich die Sache bildlich vorstellt. In der Tat ist gewiss nicht angenehm, wenn man auf die Hörner eines wilden Bockes zugetrieben wird. Aber ganz so einfach ist es eben nicht mit den alten Redewendungen.

Eine weitere Deutungsmöglichkeit kennt einen Gelehrten namens Markus Zuerius Boxhorn, der mit seinem außergewöhnlichen Wissen viele Leute argumentativ in die Enge treiben konnte. In einer anderen Erklärung spielt ein enges Hemd aus Bocksfell die Hauptrolle. Dort hinein zwängte die Justiz in alter Zeit einen Angeklagten oder Schuldiggesprochenen, wenn sie ihm sein Sündenregister verlas oder sie ihn als Strafe durch den ganzen Ort jagen ließ.

In ihrer Urform muss die Redensart jedenfalls sehr alt sein. Schon in der Zeit, aus der die ältesten Belege für den Gebrauch stammen, war die ursprüngliche Bedeutung wohl unbekannt. Dies lässt sich aus den unterschiedlichen Zusammenhängen schließen, in denen der Spruch mit dem Bockshorn damals zur Anwendung kam. Auf der Suche nach einer Erklärung für die Redewendung ließen sich dann aber offensichtlich auch die Sprachwissenschaftler selbst ins Bockshorn jagen, denn bis heute gibt es keine allgemein gültige Deutung dafür. Im Umlauf sind fünf, sechs mögliche Ansätze. Einig sind sich aber fast alle, dass dieses Bockshorn nichts sonderlich Angenehmes ist. Kein Wunder also, dass die Redensart hin und wieder im Zusammenhang mit dem Finanzamt zu Ehren kommt.

Schrammses I.
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bockshorn, boxhorn, phrasenpharao, redewendung, schrammses


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