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  #1 (permalink)  
Alt 28.08.2007, 16:10
Börner Börner ist offline
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Registriert seit: 04.01.2007
Beiträge: 192
Standard Sachsen-LB

Leicht irritiert habe ich vernommen das die SLB verkauft wurde. Kaufpreis etwa 300 Mio. Gleichzeitig haftet das Land aber für 17 Mrd EUR. Wie geht das denn?
Ich weiss das Bankgeschäfte kompliziert sind, aber es macht für mich trotzdem keinen Sinn. Abgesehen davon was wird getan, damit sich ähnliches in Zukunft nicht wiederholt. Wer nickt solche Geschäfte ab? Das auf dem US-Immobilienmarkt eine Katastrphe droht wußte ich schon vor ca. zwei Jahren. Wie ist es möglich, dass trotzdem solche Geschäfte getätigt werden?

Und warum findet das Thema wiederum in den Medien nahezu nicht statt? Sondern erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
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  #2 (permalink)  
Alt 29.08.2007, 15:31
Bernd Richter Bernd Richter ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 26.01.2007
Beiträge: 641
Standard AW: Sachsen-LB

Zitat:
Und warum findet das Thema wiederum in den Medien nahezu nicht statt? Sondern erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Wenn schon erfahrene Banker diesen Crash nicht vorhergesehen haben, wie hätten ihn dann Journalisten vorhersehen können? ;-)

Im Ernst, die Berichterstattung beruhigt sich etwas und macht deutlich, dass es sich offensichtlich um ein recht kompliziertes Thema handelt, bei dem man mit allzu schnellen Schlussfolgerungen und Beschuldigungen vorsichtig sein sollte. Keine Frage, die SachsenLB hat sich offensichtlich übernommen und man muss sich natürlich die Frage stellen, ob dies z. B. der Verwaltungsrat hätte verhindern können oder müssen. In diesem sitzt im Übrigen auch ein Vertreter der Linken, die recht lauthals den Rücktritt von Milbradt und Metz fordert. Das haben auch die Grünen bereits moniert (http://www.gruene-fraktion-sachsen.d...8c765c10d.html).

Milbradt hat heute in einem FAZ-Interview etwas ausführlicher Stellung genommen (siehe faz.net unter Wirtschaft). Dabei zeichnet er natürlich ein Bild, welches in seinem Interesse ist. Aber es ist doch in der Tat die Frage, inwieweit dieses Problem für die Verantwortlichen vorhersehbar war, wenn tatsächlich weder unabhängige Wirtschaftsprüfer noch die BaFin ein großes Risiko sahen. Nur daran sollte man die politische Verantwortung messen. Die bisherige Berichterstattung und Diskussion gibt zu großen Teilen nur die Symptome wieder, befasst sich aber nur in Teilen mit den Hintergründen.
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  #3 (permalink)  
Alt 29.08.2007, 21:05
Jaseck Jaseck ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 25.05.2007
Beiträge: 528
Standard AW: Sachsen-LB

Zitat:
Zitat von Börner Beitrag anzeigen
. . .
Und warum findet das Thema wiederum in den Medien nahezu nicht statt? Sondern erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Ich denke, da vorher alles bestens lief (gute Gewinne/Ausschüttungen aus riskanten Anlagen) gab es für die Verantwortlichen keine Veranlassung zum "Rummeckern". Man macht sich ja auch nicht sonderlich beliebt, wenn man der LB eine konservative Anlagenpolitik verordnet und damit die Ausschüttungen an die Teilhaber reduziert.
Das Rumgedruckse des Verwaltungsrats Weckesser in der gestrigen "frontal"-Sendung machte das Dilemma recht deutlich.
Im Prinzip gehts doch vielen Kleinanlegern ähnlich: Solange die Performance stimmt, ignoriert man halt gern das Risiko volatiler Anlagen. Die Reue kommt erst später (vgl. Neuer Markt).

Mich wundert nur, dass die irischen Broker so frei in ihren Entscheidungen waren. Klare Richtlinien bezüglich der Risikostreuung gab es für diese Herren offensichtlich nicht.
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  #4 (permalink)  
Alt 29.08.2007, 22:30
hjwagner hjwagner ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 24.04.2007
Beiträge: 370
Standard AW: Sachsen-LB

Zitat:
Zitat von Bernd Richter Beitrag anzeigen
[...]Aber es ist doch in der Tat die Frage, inwieweit dieses Problem für die Verantwortlichen vorhersehbar war, wenn tatsächlich weder unabhängige Wirtschaftsprüfer noch die BaFin ein großes Risiko sahen.
Tut mir leid, aber das ist das Gleiche wie 2001. Das Risiko mit der US-Immobilienblase ist seit Jahren bekannt. Solange eine Blase wächst verdienen alle, wenn sie platzt guggen sie blöd aus der Wäsche. Gier frisst Hirn. Das gilt für alle Beteiligten inkl, Milbradt. Die SLB hat ja über Dublin schöne Gewinne für den Freistaat eingefahren.

Wenn ich die Blase kannte, warum die Profis nicht? Weil sie es nicht wissen wollten!
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  #5 (permalink)  
Alt 30.08.2007, 12:32
Bernd Richter Bernd Richter ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 26.01.2007
Beiträge: 641
Standard AW: Sachsen-LB

Zitat:
Zitat von hjwagner Beitrag anzeigen
Tut mir leid, aber das ist das Gleiche wie 2001. Das Risiko mit der US-Immobilienblase ist seit Jahren bekannt. Solange eine Blase wächst verdienen alle, wenn sie platzt guggen sie blöd aus der Wäsche. Gier frisst Hirn. Das gilt für alle Beteiligten inkl, Milbradt. Die SLB hat ja über Dublin schöne Gewinne für den Freistaat eingefahren.

Wenn ich die Blase kannte, warum die Profis nicht? Weil sie es nicht wissen wollten!
Man muss sich in der Tat fragen, wie fähig und unabhängig diese Wirtschaftsprüfer waren, auf die sich Milbradt und Metz jetzt berufen. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Beteiligten der Risiken durchaus bewusst waren. Aber wahrscheinlich ist man davon ausgegangen, dass die eigenen Anlagen von so hoher Qualität sind, dass sich das Risiko in Grenzen hält und dabei verdrängt, dass der Markt diesbezüglich in Krisensituationen keinen Unterschied macht. Darauf lassen Kommentare in der Presse schließen, wonach vermutlich nicht so sehr die gewählten Anlagen das Problem sind, sondern deren Umfang. Die SachsenLB habe "an einem zu großen Rad gedreht".

Aber das ist alles sehr spekulativ, vor allem wenn man sich mit den Hintergründen nicht wirklich auskennt. Aber die Verwaltungsratsmitglieder, allen voran natürlich der Finanzminister, werden kaum Erfolg damit haben, die Verantwortung auf den Vorstand und irgendwelche Wirtschaftsprüfungsgesellschaften abzuwälzen. Insofern finde ich es auch etwas dünne, dass insbesondere vom Finanzminister kaum Selbstkritik geübt wird. Aber mal schauen, was er morgen im Landtag zum Thema sagt.
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  #6 (permalink)  
Alt 30.08.2007, 13:41
Börner Börner ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 04.01.2007
Beiträge: 192
Standard AW: Sachsen-LB

Zitat:
Zitat von hjwagner Beitrag anzeigen
Tut mir leid, aber das ist das Gleiche wie 2001. Das Risiko mit der US-Immobilienblase ist seit Jahren bekannt. Solange eine Blase wächst verdienen alle, wenn sie platzt guggen sie blöd aus der Wäsche. Gier frisst Hirn. Das gilt für alle Beteiligten inkl, Milbradt. Die SLB hat ja über Dublin schöne Gewinne für den Freistaat eingefahren.

Wenn ich die Blase kannte, warum die Profis nicht? Weil sie es nicht wissen wollten!
Gut analysiert. Gerade wegen ihres vermeintlichen Sachverstandes sind "die Experten" der irrigen Annahme erlegen das Risiko (geradenoch) rechtzeitig zu sehen um auszusteigen. Stattdessen schauten sie (mit Milbradt, dem kühlen Rechner; gestern gelesen) nur auf die Gewinne. da hilft wie angemerkt nur die Risikostreuung.
Ich nehme mal an, wenn etwas mehr bekannt wäre wie die Finanzinstitute agieren würde dem normalen Anleger nur grausen. Leider kommt sowas immer nur raus wenn gar nichts mehr geht. Ansonsten wird es "verrechnet" mit besser laufenden Geschäften.

Nur ein Beispiel: Wer sich vor ein paar jahren mit den Chancen alternativer Energien beschäftigt hätte, könnte heute Renditen von mehreren 100% eingefahren haben. Stattdessen setzt man auf das Pulverfass US-Immobilien.
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  #7 (permalink)  
Alt 31.08.2007, 11:25
MT98 MT98 ist offline
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Registriert seit: 31.12.2006
Beiträge: 606
Standard AW: Sachsen-LB

Sie werden NIEMALS EINBLICK ÜBER DIE HINTERGÜNDE erhalten!

Siehe auch:
der Justizskandal und wie er aufgearbeitet wird (alles Klamauk)
das unbedingte Festhalten an DIESER WSB
der Sachsen LB.

Politiker, welche beim Fehlermachen erwischt worden sind, streiten grundsätzlich erst einmal alles ab.
Schließlich werden sie von den jeweiligen Parteien bis es eben nicht mehr geht, gedeckt!
Es geht schließlich um die Wählerstimmen = Geldverteilung für die Parteien!!!
Auch wenn sich Gerichte mit der Sache beschäftigen, werden dann diese Verantwortlichen (in den Augen des Volkes die Schuldigen) nach mehrjährigen Verfahren meistens freigesprochen oder sie müssen maximal eine kleine Geldsumme bezahlen.
Danach können sie sich den nächsten Objekten zuwenden.
Die Einzigen, welche die ganze Sache auslöffeln dürfen, sind wir Steuerzahler!
Für mich ist der sogenannte Rechtsstaat BRD nicht existent!
Die eigentliche Frage ist doch, wieso kann mit öffentlichen Geldern, spekulative Geschäfte durchgeführt werden. Dass dies möglich ist, ist schließlich nicht neu.
Mit welchen primitiven Ausreden sich Metz und Milbrath ( siehe auch Buttolo bei der versehentlichen Aktenvernichtung ) versuchen aus der Schusslinie zu bringen, ist für mich der eigentliche Skandal.

Es ist immer das gleiche System, nichts gehört und nichts gesehen, eben alles Klamauk!
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  #8 (permalink)  
Alt 04.09.2007, 22:39
Dieter v. Strauwitz Dieter v. Strauwitz ist offline
Junior Member
 
Registriert seit: 28.12.2006
Beiträge: 28
Standard Das Kapital

Liebe Leute, ob nun Verfechter solcher Gebaren einer Landesbank oder Zweifler bzw. Kritiker:

KARL MARXens KAPITAL lesen! Da steht im Prinzip alles schon drin.

Wünschenswert wäre es, wenn ein kluger Kopf und ausgewiesener Kenner der Materie eine zeitgemäße Ergänzung zu diesem epochalen Werk, z.B als DAS KAPITAL Band IV, verfassen würde. Da könnten dann vielleicht diese halbgebildeten Finanzjongleure und ökonomischen Papierumwender mit Linksgewinde am Holzkopf noch etwas Gescheites lernen und zuküftig den Steuerzahler davor bewahren, daß er mit seinen Beiträgen diese verbrannten Milliarden und Abermilliarden immer und immer wieder ersetzen muß.
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  #9 (permalink)  
Alt 05.09.2007, 13:07
Börner Börner ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 04.01.2007
Beiträge: 192
Standard AW: Das Kapital

Zitat:
Zitat von Dieter v. Strauwitz Beitrag anzeigen
Wünschenswert wäre es, wenn ein kluger Kopf und ausgewiesener Kenner der Materie eine zeitgemäße Ergänzung zu diesem epochalen Werk, z.B als DAS KAPITAL Band IV, verfassen würde. Da könnten dann vielleicht diese halbgebildeten Finanzjongleure und ökonomischen Papierumwender mit Linksgewinde am Holzkopf noch etwas Gescheites lernen und zuküftig den Steuerzahler davor bewahren, daß er mit seinen Beiträgen diese verbrannten Milliarden und Abermilliarden immer und immer wieder ersetzen muß.
Weit vorgewagt und trotzdem richtig. Die perfide Weiterentwicklung ist aber, dass im Gegensatz zu Marx, der Finanzjongleur nicht mehr vom eigenen Untergang bedroht ist, sondern unabhängig vom Fehlverhalten mit Abfindungen oder Pensionen hervorragend belohnt wird. (Dazulernen ist somit vollkommen ausgeschlossen)
Soviel zur Weiterentwicklung seit Marx.

Aber leider gibt es Verdummung genug, dass die breite Mehrheit das System nicht durchschaut und weiter mitmacht.
__________________
Terror
Das eigentliche Wesen totalitärer Herrschaft seien nicht Willkür und gesetzlose Herrschaft eines einzelnen, wie in der Tyrannis, sondern Terror. Dieser ersetze "den Zaun des Gesetzes, in dessen Umhegung Menschen in Freiheit sich bewegen können, durch ein eisernes Band, das die Menschen so stabilisiert, dass jede freie, unvorhersehbare Handlung ausgeschlossen wird". (Hannah Arendts in "Die Riesenwandkarte der Überwachung" von Elisabeth Blum)
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  #10 (permalink)  
Alt 05.09.2007, 15:05
Bernd Richter Bernd Richter ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 26.01.2007
Beiträge: 641
Standard AW: Das Kapital

Zitat:
Zitat von Börner Beitrag anzeigen
(...)
Aber leider gibt es Verdummung genug, dass die breite Mehrheit das System nicht durchschaut und weiter mitmacht.
Sie durchschauen also das System? Also ich würde das nicht unbedingt von mir behaupten. Die SachsenLB-Geschichte beweist doch zunächst nur eines, dass die handelnden Personen auch nur Menschen sind und vor Fehlern und Fehleinschätzungen nicht gefeit sind. Dies gilt insbesondere für mit einem Regierungsamt versehene Politiker, die zumeist die Verantwortung für eine Vielzahl von Sachgebieten tragen, in denen sie auf die Kompetenz ihrer Mitarbeiter angewiesen sind. Wenn dieses "System" versagt, eben weil es z. B. an kritischen Stimmen im Ministerium mangelte, muss der zuständige Minister natürlich dafür die Verantwortung übernehmen. Aber es geht zu weit, diesen persönlich für Fehleinschätzungen haftbar zu machen, es sei denn, man kann ihm Handeln wider besseren Wissens o. ä. nachweisen.

Im Übrigen sollten wir in Bezug auf die SachsenLB mal abwarten, wie groß der entstandene Schaden tatsächlich ist. Und auch nicht vergessen, dass die riskanten Geschäfte in der Vergangenheit auch nicht unerhebliche Einnahmen bescherten. Und wenn schon auf Milbradt und Metz diesbezüglich herumgehackt wird, sollte man nicht völlig ausblenden, dass die zweitniedrigste Verschuldung aller Bundesländer bei vergleichsweise hoher Investitonsrate sicher kein Selbstläufer war und ist sondern eine über Jahre betriebene konsequente Politik erforderte. Verantwortungsloses politisches Handeln sieht jedenfalls anders aus.
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