Mein Rat an Prof. Milbradt
Auf den Aufwand einer zweiten Wahl kommt es nun auch nicht mehr an.
Das Blaue Wunder würde um gerade mal 9% entlastet (Gut, schon dass hilft der Ampelphase.), die Schillerstraße um 33%. Sooooo toll ist das nun auch nicht für Loschwitz, das teilweise besonders profitieren würde. Aber ich denke, mit diesen Gedankenaustauschen können wir wirklich langsam aufhören. Wählen bis das Ergebnis stimmt muss eine ganz außerordentliche Ausnahme sein. In Dresden gab es den Versuch schon mal in der jüngsten Vergangenheit und die Wählerschaft hat deutlich ihre Meinung gesagt.
Die erste Ausnahme war das mangelnde Wissen um die Sache mit dem Welterbe (Übersetzungsfehler 2 statt 5 km und falsche Flussrichtung, schon das sollte für eine Anfechtung eines Kaufvertrages völlig genügen, da mit dem Slogan unescogeprüft geworben wurde), und praktisch, wenn auch abstrakt intellektuell nicht von Belang, noch sehr viel entscheidender:
Die Bürgerschaft, wir alle außer ein paar Profis wie Herr May, der kein typischer Brückenfreund ist, waren mit dem Volksentscheid völlig überfordert, wir haben keine Erfahrung mit Volksentscheiden wie die Schweizer.
ADAC plus CDU plus FDP haben einen damals todsicheren LAGERWAHLKAMPF gemacht, der mit einem Volksentscheid, einer Sachentscheidung, bei der man die Partei vergisst, nicht das Geringste zu tun hatte. Sowas ist überhaupt nur im Osten möglich, auch wenn Dresden sonst eher eine intelligente Stadt ist, das war absolutes Provinzniveau, die ultimativen Bananenossis haben gewählt.
Dazu das komplizierte Thema Verkehr. Die Wenigsten sind Verkehrsingenieure.
Dass die Linksgrünen, wahrgenommen damals vor Ort vor allem durch ein jugendliches ColoRadio und irgendwelche grünen Freaks, die Atomtransporte aus Rossendorf blockiert haben, gerade mit einem Griff in in Minuskiste nach dem anderen, keine Chance hatten, war in diesem Lagerwahlkampf kurz vor der Frauenkircheweihe klar. Jede grüne Idee wurde mit Baumzelten gegen die A17 in Zusammenhang gebracht, die Professoren haben sich erst nach der Wahl wahrgenommen gemeldet.
Die 20.000 Stimmen wurden vom den netten Stammtankwart gesammelt. Nach meinem Eindruck haben die unerfahrenen Volksabstimmer nicht gewusst, über was sie da überhaupt abstimmen (und zwar sowas von nicht, das muss man vor Ort erlebt haben), deshalb auch die niedrige Wahlbeteiligung.
Fast niemand war motiviert, gegen etwas zu sein. Gegen etwas, das sich heutige Experten ausgedacht haben, sind Freaks, aber doch keine normalen Bürger, so damals die Nachwende- Lebenserfahrung.
Seit der Wende wurde so viel Neues gebaut und jetzt eben nach der Gläsernen Manufaktur, AMD und Frauenkirche wieder was Neues, ja da sind wir dafür oder lassen die anderen abstimmen.
Juristisch haben die Brückenfreunde alles richtig gemacht und intellektuell juristisch argumentieren sie auch maximal überlegen, was nicht zusammenpasst ist der riesige Bildungsunterschied der Lager. Es muss absolut schockierend sein wie eindeutig und gewaltig der Zusammenhang Bildungsniveau Brückenmeinung ist. Ich bin keineswegs der Irrmeinung, dass der Mensch beim Akadmiker beginnt, aber Abitur trauen sich heute viele zu und viele junge Brückenfreunde haben noch viel weniger. Gerade wenn es im Leben keine so simplen Zusammenhänge gibt, ist es ja um so komischer wie klar der Zusammenhang ist. Man könnte natürlich behaupten in der Schule wird man von 68ern zum Grünen gemacht, aber dann wird das schon seinen Grund haben, auch wenn es bei mir nicht geholfen hat.
Die Brückenfreunde, das ist das Widersprüchliche, absolut Unnormale, mögen zwar an der Spitze intellektuell besser besetzt sein, an der Basis ist das Gegenteil der Fall, und zwar in einem Ausmaß, dass der Demokratie auch nicht gut zu Gesicht steht. Laut mancher Statistik bestehen die Befürworter nur aus Rentnern, Hauptschülern, NPD-Wählern und Katholiken, zu denen Gott spricht, auch wenn sie kein Auto haben.
Jeder Hardcore-Brückenfan kann die Umfragen im Auftrag der SZ als SED-Meinungsmache oder dekadenten Boulevard abtun oder sich über die Signifikanz lustig machen, das sind trotzdem in der Summe, die jüngste Umfrage steht ja nicht allein im Raum, überzeugende Zahlen und natürlich wollen die LoNSDAle-Träger es der Unesco mal so richtig zeugen, die Zahlen sind recht genau hochgerechnet. Es kann schon sein, dass jemand sonst noch jemand anders kennt, der Abitur hat und für die hässliche Brücke ist, diese doppelrohrige unsächsische Abschussrampe mit dem Blauen Wunder vergleicht, aber entweder er kennt zumindest jemanden, der seinen Haupwohnsitz außerhalb Dresdens in Dresden-Weixdorf hat oder er ist sonstwie ein politischer Strolch. Die Dresdner haben, wenn überhaupt, ich meine jetzt die Straßenkarte mit Verkehrsprognose, nur im tief roten und sehr grünen nach persönlicher Betroffenheit gewählt, weil die meisten nicht in einer Gummizelle wohnen, sondern mal dieses und mal jenes sind. Sie haben volkswirtschaftlich gedacht und erst nach der Wahl wurden sie mit Informationen überschüttet, Welterbe, Straßenkarten, bundesweite Presse, nicht immer bestens informiert, angesehene Zeitungen haben vom Canalettoblick geschrieben, aber interessant war´s trotzdem. Ich war in Baden im Urlaub bei einem Gastwirt, der hat in seinem Dorf 50.000 Euro für die Frauenkirche gesammelt, der hat dafür gelebt, obwohl er hier eigentlich niemanden kannte. Ein Hardcore-CDU-Mensch, der hat mich gefragt, ob die CDU in Dresden überhaupt noch zu retten ist, da hat man die SPD als Splitterpartei und dann macht man so einen Lagerwahlkampf, und gibt hinterher nichtmal zu, dass einiges falsch gelaufen ist.
Auch dass so ein großer Generationenkonflikt herrschte bei der Abstimmung, das tut der Demokratie auch nicht gut. Die Alten gehen halt zu jeder Wahl, da sehen sie mal Menschen. Nun wüsste wirklich jeder um was es geht. Besonders enthaltsam waren die Frauen, die Familien hatten vielleicht auch was Anderes zu tun, das weiß ich nicht.
Da ich, wenn auch passiv, eher zu den Brückenbefürwortern zähle, fällt es mir leicht, dieses Problem auszusprechen, dass ein zweiter reiferer Wahlgang, den jeder aktzeptieren würde, einfach dem Klima in der Stadt besser täte.
Es muss nicht so sein, Statistiken lügen, aber statistisch haben zwei Dumme einen Schlauen überstimmt, sowas ist nun für noch einmal völlig ausgeschlossen, da jeder eine Lernkurve hat und niemand gezwungen wird seine Meinung zu ändern.
Es ist bei Wahlwiederholungen fast immer der Fall, dass das Ergebnis mit noch größerer Deutlichkeit bestätigt wird. „Wollen Sie eine welterbetaugliche Querung, ja oder keine ?“ Danach könnte Dresden 800 Jahre die Welterbe diese Welt mitbestimmen, wer weiß, wozu es mal gut ist.
Elbflorenz hat mit dem Rückspiel Erfahrung, durch das provinzielle Bürgermeisterwahlrecht, bei dem ich mich immer wundere, dass ich scheinbar der Einzige bin, der es für undemokratisch hält, obwohl es bisher keinen Schaden angerichtet hat. Ein Kandidat braucht die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang und lediglich die einfache im zweiten, dazu kommt, dass beim zweiten Kandidaten antreten können, die beim ersten gar nicht dabei waren. Man kann also Fakekandidaten aufstellen, um Gruppen zu spalten, normal wäre ein Knockout- oder Best2ofAll-system, bei dem der letze verbleibende Kandidat, der für manche nur Kompromiss ist, die absolute Mehrheit braucht.
Daher würde das Ergebnis, ich sehe die Chancen siehe oben entgegen mancher Umfragen 90:10 für die Befürworter, von jedem aktzeptiert werden. Es gäbe kurz Häme und am nächsten Tag wäre das Thema erledigt, außer dass es in 30 Jahren zur Legende würde, vergleichbar mit in Berlin dem Fall der Mauer.
Ich habe mich damals der Stimme enthalten.
Diesmal würde ich das wieder tun, obwohl ich so viel diskutiere.
Ich bin im Kopf für die Brücke, im Herzen dagegen.
Ich bin davon überzeugt, dass der Verkehr mit der Brücke besser rollt und der Vorteil im Ausmaß größer ist als der induzierte PKW-Verkehr, der eigentlich immer dumm ist für Großstädte.
Ich finde die Brücken vom Standort her aus einigen Perspektiven absolut unvertretbar, selbst wenn es eine Gelddruckmaschine wäre, denke aber, dass man im wirklichen Leben selten aus diesen Perspektiven schaut und die Brücke umfassender und verträglicher wahrnimmt.
Allerdings finde ich den Bau, schon das Geländer und die Abschussrampe, architektonisch (rein ästethisch) schlecht aussehend. Die meisten gingen gutgläubig davon aus, da wäre etwas von Architekten entworfen worden. Der Entwurf, den wir hier sehen, ist doch ein Brutalindustrietypus kasachischer Prägung, den sich ein Dresdner Büro nie getraut hätte, das sind kulturlose Stadtflüchtlinge, die Angst vor einer deutschen Hauptstadt Dresden haben.
Ich werfe den Befürwortern unfaires Verhalten vor, mit dem sie allerdings eher sich selbst schaden, sogar, selten in der Politik, langfristig.
Als erstes ehemaliges deutsches Unesco Weltkulturerbe würde Dresden weltweit für Aufsehen sorgen. In jedem Baedeker und jeder Touristbeschreibung würde man dann lesen können, daß Dresden per Volksentscheid sein Weltkulturerbe zerstörte. Das haben nicht mal die Taliban in Afghanistan geschafft.
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