21.05.2012 17:53
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Es ist wirklich unglaublich, mit welcher Selbstsicherheit und Arroganz heute diese erneute unverschämte Provokation für den Neumarkt präsentiert wurde. Ich hoffe inständig, und werde auch selbst mein Möglichstes dafür tun, dass die Dresdner diesen ignoranten und egoistischen Bau zu verhindern wissen.
Über 63000 Unterschriften sind gesammelt worden für einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau des Neumarktes, immer wieder mußte man gegen Provokationen von Seiten des Stadtrates und der Architektenschaft kämpfen (Baywobau, Prisco uvm.), und trotzdem agiert diese Stadt in ignoranter, selbstüberzeugter Weise weiter wie bisher. Ich kämpfe für ein neues Bürgerbegehren! |
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Könnte man im Gewandhaus Auto fahren wäre eine 2/3-Mehrheit für den Bau.
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Wie es aussieht, wird dieses Thema die Diskussion um die Waldschlösschenbrücke nahtlos ablösen und dieser vermutlich auch in der Heftigkeit der Diskussion nicht nachstehen. Es wäre in der Tat auch schlimm, wenn den Dresdnern ein derart zentrales Bauvorhaben egal wäre. Dennoch lassen sich schon wieder Tendenzen erkennen, die man schon aus anderen Diskussionen kennt. Nähmlich ein Mangel an Sachlichkeit und Gelassenheit, dafür aber der Anspruch die alleinig richtige Auffassung zu haben. Um nicht missverstanden zu werden, damit meine ich nicht unbedingt die Gesellschaft historischer Neumarkt!
Die bisherigen Quartiere am Neumarkt haben meines Erachtens gezeigt, wie schwierig es ist, von heute auf morgen ein lebendiges Stadtzentrum wieder auferstehen zu lassen, zudem noch nach historischem Vorbild. Die eigentlich notwendige Kleinteiligkeit und Authentizität, wie man sie teilweise z. B. noch in der Inneren und Äußeren Neustadt vorfindet, lässt sich wohl kaum erreichen, wenn ganze Quartiere von einem Bauherren errichtet werden. Allerdings war dieses Vorgehen vermutlich nicht vermeidbar, um die vollständige Bebauung des Platzes noch miterleben zu können. Die Fassaden der neu entstandenen Quartiere werden sicherlich irgendwann verblassen und dann vielleicht sogar glaubwürdig erscheinen. Aber spätestens beim Betreten der Quartiere wird deutlich, dass es sich eben nicht um eine Bebauung aus dem 18. oder 19. Jahrhundert handelt. Dies betrifft alle bisherigen Quartiere und wird beim "Juwel an der Frauenkirche" der Baywobau nicht anders sein. Dennoch empfinde ich die bisherige Entwicklung am Neumarkt überwiegend als positiv. Aber ich habe Bedenken, ob es dem Platz gut tut, wenn er von historisierenden Quartiersbebauungen vollständig umschlossen wird. Ein modernes Gewandhaus betrachte ich da nicht als Provokation sondern fast schon als eine Notwendigkeit, zumal es sich im Gegensatz zu den bisherigen Quartieren um keine rein kommerzielle Nutzung handeln würde! Es fällt mir schwer zu beurteilen, ob der Siegerentwurf dafür nun das Maß aller Dinge ist. Allerdings kann ich die Juryentscheidung beim Betrachten der anderen Entwürfe durchaus nachvollziehen. |
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Da kann man ja bloß froh sein, dass Sie, Herr Kaufmann nicht in der Jury saßen....!
Dass Architekten in Ostdeutschland wenig Ansehen genießen, ist bekannt und der Tatsache geschuldet, dass kraneinsatzoptimierte DDR- Plattenbausiedlungen wenig Spielraum für gute wie auch für schlechte Architektur ließen, leider. Deswegen aber heute immer noch alles, was nach Architektur aussieht oder riecht oder schmeckt, in Grund und Boden zu verdammen, ist einfach nur proletischer Reflex und zeugt nicht gerade von kultureller Bildung. Ob die Stelle des Gewandhauses wieder bebaut werden soll oder nicht, ist meines Erachtens eine Glaubensfrage. Dass aber der Frauenkirche und der bisherigen, wenig geglückten und ein ungutes Gefühle hinterlassenen Neumartktbebauung ein modernes Pendant gut tun würde, dass müsste eigentlich jedem unvoreingenommenen Betrachter einleuchten. Die Einmaligkeit der Frauenkirche im Kontex zur Gegenwart würde so deutlicher werden, derzeit verliert man nämlich auf dem Neumarkt jegliches Zeitgefühl, was irritierend und ermüdend wirkt. Ein gekonnt vorgetragener Kontrast zwischen Alt und Neu würde dagegen die Spannung und die Wirkung der historischen Bebauung wohltuend erhöhen. Ich hätte mir an dieser Stelle auch den nun leider für Dresden verlorengegangenen Liebeskindbau (Hauptstraße) vorstellen können. Aber all das wird, wie schon vieles in Dresden an der Engstirnigkeit und Provinzialität eines vergangenheitsfixierten Publikums und seiner gewählten Vertreter scheitern. Namhafte Architekten werden sich abwenden und Ihre Perlen zu recht woanders verstreuen, was bleibt Ihnen denn auch anderes übrig ? Ob Dresden Landeshauptstadt bleibt, ist ohnehin bei einer Zusammenführung der drei ehemalig sächsischen Herrschaftsgebiete (Sachsen, Thüringen und Sachsen- Anhalt) fraglich, Leipzig kommt da wohl nicht nur seiner zentralen Lage wegen eher in Betracht. Und Dresden fällt die Rolle zu, die es schon jetzt in den Köpfen eines Großteils seiner Bürger spielt: Provinzhauptstadt. P. Schewe |
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Ich kann es echt nicht mehr hören!
Brüche, Kontraste, zeitgemäßes Bauen, Gegenpole der Moderne... Es ist so ermüdend, sich dieses stupide Nachgeäffe immer und immer wieder anhören zu müssen. Dass ganz Dresden ein einziger Kontrast ist, dass dieses so genannte "zeitgemäße" (ich finde es bspw. überhaupt nicht zeitgemäß) Bauen vom Wiener Platz bis in die Pirnaische Vorstadt verwirklicht wurde, dass man an beinahe jedem Platz in Dresden einen "Gegenpol der Moderne" findet, und es hier beinahe nicht eine "bruchfreie" Straße mehr gibt, scheint Manchem meiner Vorredner dagegen nicht aufzufallen. Und nun soll die (beinahe deutschlandweit) letzte innerstädtische Chance auf ein harmonisches Altstadtensemble, wie man es in jeder anderen europäischen Stadt in jedem anderen europäischen Land, dem der Bombenkrieg erspart geblieben ist, findet, der restlichen deutschen Flickenteppich-Tristesse angeglichen werden? Soviel Ignoranz und Unfähigkeit zu einer ganzheitlichen Logik übersteigt mein Fassungsvermögen. |
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Ja, tut mir leid, lieber Youngwoert, da kann man wirklich nichts machen mit Ihrem Fassungsvermögen. Lässt sich leider nicht erweitern.
mit freundlichem Gruß P. Schewe |
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Vorab Respekt und Anerkennung den Stuttgarter Architekten. Die können da wirklich am wenigsten dafür.
Warum wird die Kunsthalle nicht am Postplatz oder am Wiener Platz gebaut? Da würde sie sicher besser hinpassen. Ich bin auf jedem Fall der Meinung, das in dem relativ kleinen Bereich um die Frauenkirche (ca. 600 x 400m) eine durchgängige Gestaltungsstruktur der Gebäude, wie sie jetzt begonnen wurde, die bessere Lösung ist. Durch die unterschiedlichen Fassaden und Höhen sind genug "Brüche" vorhanden. Da braucht es nicht noch etwas total anderes. Dresden stand und steht auch für moderne und aussergewöhnliche Architektur zB. Yenidze, Kugelhaus, Zirkus Sarrasani. Aber lasst an der Stelle die Kirche im Dorfe. Wenn der Neumarkt mal fertig ist in der jetzigen Form wird das richtig schön. Naja, unsere Stadthäuptlinge scheinen aber momentan an der allgemeinen Stadtverschandelungskrankheit zu leiden. Hoffentlich ist sowas heilbar. |
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Das neue "Gewandhaus" - der Name ist bereits ein plumper Etikettenschwindel - ist in der Tat ein rückwärtsgewandtes Projekt, und zwar deshalb, weil es eine unzeitgemäße Realisierung der überholten Konzeption der "Brüche" und "Kontraste" darstellt. Es handelt sich dabei genau um jene Vorstellungen, die zu der in der Bevölkerung weit verbreiteten Unzufriedenheit mit der Gestalt unserer Städte geführt haben. Sie haben sich also in der Vergangenheit nicht bewährt, und ganz so, als lebten Architekten auf dem Mars und nicht auf der Erde, wird uns heute in Dresden das fehlgeschlagene Experiment von neuem präsentiert. Allein, die von Architekten so oft behauptete "Spannung" erweist sich letztendlich als banale Reizlosigkeit. Hier haben die Bürger einer Stadt doch ganz klar und eindeutig ihren Wunsch nach einer in sich stimmigen, harmonischen und geschlossenen Bebauung artikuliert: Ist das Architekten-Ego tatsächlich so groß, dass den Dresdnern noch nicht einmal dieser eine Platz gegönnt wird?
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