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Alt 02.10.2010, 23:13
Dieter v. Strauwitz Dieter v. Strauwitz ist offline
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Beiträge: 28
Talking Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Der DLF übertrug soeben bis kurz vor 22.00 Uhr das Festkonzert anläßlich der Feierlichkeiten zum 3. Oktober aus Bremen. Gespielt wurde zuletzt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung: von Marek Janowski in einer Direktübertragung aus dem Bremer Konzerthaus "Die Glocke"
die 4. Sinfonie in e-moll Werk 98 von Johannes Brahms, seine reifeste musikalische Komposition und der glänzende Abschluß seines gesamten künstlerischen Schaffens. Es gebietet sich schon aus diesem Grunde, diesem Werk und den es aufführenden Musikern den nötigen Respekt zu zollen.

Was mußte man als Zuhörer erleben? Es stockre einem vor Scham und Ärger fast der Atem: Bar jeweden Anstandsregeln, wie man sich als Zuhörer in einem Sinfoniekonzert zu verhalten hat, zerklatschte die geladene Highsociety die ganze festliche Stimmung, und zwar nicht etwa aus Versehen nach dem 1. Satz, nein, selbstredend nach JEDEM Satz dieser wunderbaren Sinfonie. Die festliche Stimmung wurde dadurch empfindlich gestört. Darau muß ich folgendes schlußfolgern:

1. Diese "Spitzen der Gesellschaft" und "Führer" von Parteien, Wirtschaft und Finanzwelt kennen offenbar die 4. Sinfonie von Brahms nicht, denn sonst wüßten sie, dass diese Sinfonie wie die meisten Sinfonien aus 4 Sätzen besteht.
2. Diese "Experten" unseres Staates kennen wahrscheinlich überhaupt keine Sinfoniekonzerte.
3. Sie merken in ihrer Arroganz und Abgehobenheit nicht einmal, dass sie sich daneben benommen haben. Denn sonst hätten sie den Beifall nach dem groben Patzer zum Ende des 1. Satzes zwischendurch unterlassen.

Was ist das bloß für ein armseliger Haufen von Kulturbanausen und Kunstrüpel? Aber mir ist schon klar, warum sie sich so verhalten: Sie sind es gewohnt, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Beifall zu klatschen bzw. mit Beifall beklatscht zu werden, um aufzufallen, gesehen und gehört zu werden, und besonders auch über ihre eigenen Beiträge zu applaudieren. Sie benehmen sich eben, wie sie es gewohnt sind, wie im Patrlament, im Bierzelt und bei Büttenreden auf Perteitagen und Wirtschaftsforen.

Ich empfehle dem Bundestagspräsidenten Lammert und den Landesparlamentspräsidenten aller Bundesländersowie den "Kapitänen" der Wirtschaft und Finanzwelt, für alle Abgeordneten bzw. Wirtschaftsführer eine Pflicht-Schulung einzuführen mit dem Thema: Wie verhalte ich mich kulturvoll und kunstverständig in der Öffentlichkeit? Diese Schulung sollte die Ermahnung einschließen, dass z.B. bei geistlichen Anlässen in Kirchen, also z.B. nach einer Predigt oder Messe oder nach dem Abendmahl oder dem Vaterunser NICHT geklatscht wird, auch nicht bei einer Taufe oder Beerdigung oder nach einer Grabrede am offenen Grabe oder am Totenbett eines Sterbenden.

Mögen uns solche Peinlichkeiten wie in Bremen zukünftig tunlichst erspart bleiben!
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  #2 (permalink)  
Alt 06.10.2010, 16:20
FGönther FGönther ist offline
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Registriert seit: 09.08.2007
Beiträge: 535
Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Zitat:
Zitat von Dieter v. Strauwitz Beitrag anzeigen

Ich empfehle dem Bundestagspräsidenten Lammert und den Landesparlamentspräsidenten aller Bundesländersowie den "Kapitänen" der Wirtschaft und Finanzwelt, für alle Abgeordneten bzw. Wirtschaftsführer eine Pflicht-Schulung einzuführen mit dem Thema: Wie verhalte ich mich kulturvoll und kunstverständig in der Öffentlichkeit? Diese Schulung sollte die Ermahnung einschließen, dass z.B. bei geistlichen Anlässen in Kirchen, also z.B. nach einer Predigt oder Messe oder nach dem Abendmahl oder dem Vaterunser NICHT geklatscht wird, auch nicht bei einer Taufe oder Beerdigung oder nach einer Grabrede am offenen Grabe oder am Totenbett eines Sterbenden.

Mögen uns solche Peinlichkeiten wie in Bremen zukünftig tunlichst erspart bleiben!


Paulus schrieb an die Apatschen : Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen !

Aber mal im Ernst: In den Satzpausen wird selbstverständlich gehustet und nicht
geklatscht.
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  #3 (permalink)  
Alt 06.10.2010, 23:25
WilhelmFriedemann WilhelmFriedemann ist offline
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Registriert seit: 28.03.2008
Beiträge: 773
Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Zitat:
Zitat von Dieter v. Strauwitz Beitrag anzeigen
...
1. Diese "Spitzen der Gesellschaft" und "Führer" von Parteien, Wirtschaft und Finanzwelt kennen offenbar die 4. Sinfonie von Brahms nicht, denn sonst wüßten sie, dass diese Sinfonie wie die meisten Sinfonien aus 4 Sätzen besteht.
2. Diese "Experten" unseres Staates kennen wahrscheinlich überhaupt keine Sinfoniekonzerte.
3. Sie merken in ihrer Arroganz und Abgehobenheit nicht einmal, dass sie sich daneben benommen haben. Denn sonst hätten sie den Beifall nach dem groben Patzer zum Ende des 1. Satzes zwischendurch unterlassen.
...
Kein Grund zur Aufregung. Das ist eben das, was diese Leute für "deutsche Leitkultur" halten.
__________________
Zitat:
Zitat von Thomas May Beitrag anzeigen
So sehr ich mich auf die Aberkennung des Welterbetitels freue ...
Zitat:
Zitat von Thomas May Beitrag anzeigen
... die ökostalinistischen Leitmedien, etwa die ARD, das ZDF, der Deutschlandfunk oder auch DER SPIEGEL ...
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  #4 (permalink)  
Alt 19.10.2010, 02:52
FredericusSecondo FredericusSecondo ist offline
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Registriert seit: 29.06.2007
Beiträge: 3
Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Eine sich selbst feiernde und sich selbst huldigende Machtelite muss sich mit der möglichst unablässigen Selbstbeklatschung bestätigen.

Wer denn sonst, wenn nicht wir Sachsen müssen dass verstehen. Schließlich haben wir das doch bei allen öffentlichen Veranstaltungen zwischen 1949 und 1989 immer und immer wieder erlebt.

Und mal ganz im Ernst. Haben wir denn noch immer nicht begriffen, was es mit der NEUEN SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT unserer verehrten, ehemaligen FDJ-Kaderfunktionärin Frau Dr. Angela Merkel es auf sich hat?
Wer dass noch nicht realisiert hat, der lese sich einfach das Buch von Ludwig Erhard durch, in dem der gute Mann die Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft definiert hat und der es deshalb auch mit dem Titel "Wohlstand für alle" versehen hat. Und wer sich als ganz massiver Anarchist outen möchte, der lese auch gleich noch das Buch von Walter Eucken "Grundstätze der Wirtschaftspolitik" durch, mit dem der Mann, der überigens der Lehrer von Erhard gewesen ist, seine fundamentalen Gegenkonzepte zur nazistischen und stalinistischen Planwirtschaft festgeschrieben und zur Grundlage des westdeutschen Wirtschaftswunders gemacht hatte.

Der Vergleich mit der heutigen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft, die den Kern dieser Neuen Sozialen Marktwirtschaft bildet, mit der Sozialen Marktwirtschaft der formierten Gesellschaft des Ludwig Erhard, wird ein Resumee unausweichlich machen: Wir haben es heute in Deutschland mit einem Kannibalkapitalismus zu tun, der aus der ehemals demokratisch und zivilgesellschaftlich verfassten Bundesrepublik Deutschland ein stänbdisch-korporierten Besitzstandsfeudalstaat gemacht hat, in welchem längst nicht mehr in hinreichendem Masse neue Vermögen durch gemeinsames konstruktives, also mehrwertschöpfendes Handeln geschaffen wird, sondern es nur noch darum geht, dass die Minderheit der systemischen Funktionäre die Bevölkerungsmehrheit immer mehr ihrer Kapitalreserven beraubt, um sich selbst faktisch mit den Apanagen zu versorgen, welche den neuen Herrschaften bei Hofe in Berlin, Dresden, München, Wiesbaden usw. ja offenbar nach deren Auffassung zustehen.

Wir sollten uns aber als Volk darüber Rechenschaft ablegen, ob dem wirklich so ist und ob wir nach der stalinistischen Kaderfunktionärsdiktaturtruppe von Ulbricht und Honnecker jetzt diese neue kannibalkapitalistische Kaderfunktionärs(diktatur?)truppe im Gewand der Neuen Sozialen Marktwirtschaft tatsächlich aufoktruieren lassen wollen. Wenn dem heute Einhalt geboten wird, werdenn wir uns wohl die Zukunft dieser neuen Diktatur schon heute vom Halse schaffen können.
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  #5 (permalink)  
Alt 25.10.2010, 11:52
FrankN FrankN ist offline
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Beiträge: 752
Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Also, ich finde es ja auch peinlich, wenn die Besucher das nicht wissen. In einem Schülerkonzert wäre es ja noch denkbar, aber nicht bei Erwachsenen. Aber was hier gleich wieder alles hineingedeutet wird, ist auch erstaunlich
Zitat:
Zitat von FredericusSecondo Beitrag anzeigen
Eine sich selbst feiernde und sich selbst huldigende Machtelite ... Veranstaltungen zwischen 1949 und 1989 ... NEUEN SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT ... FDJ-Kaderfunktionärin Frau Dr. Angela ... westdeutschen Wirtschaftswunders ... Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft ... Kannibalkapitalismus (usw)
Hallihallo! In einem Konzert haben ein paar Leute an der falschen Stelle geklatscht! Können wir uns für die notwendige Weltrevolution eventuell einen angemesseneren Anlass suchen?
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  #6 (permalink)  
Alt 27.10.2010, 22:06
FGönther FGönther ist offline
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Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Ein interessanter Rückblick in die Welt der unterbelichteten Kulturbanausen. Musikhören als Disziplinübung.
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  #7 (permalink)  
Alt 28.10.2010, 11:57
Walter Schleiff Walter Schleiff ist offline
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Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Zitat:
Zitat von FGönther Beitrag anzeigen
Ein interessanter Rückblick in die Welt der unterbelichteten Kulturbanausen. Musikhören als Disziplinübung.
Ob man zwischen den Sätzen klatscht, ist Geschmackssache. Sehe ich das Werk in seiner Gesamtheit, fühle ich mich durch das Klatschen in den Pausen gestört. Zu Beethovens Zeiten war das Klatschen in den Satzpausen üblich, ohne dass man das damalige Publikum nun den Kunstbanausen zurechnen müsste. Auch das Klatschen nach großen Arien in der Oper, gerne geübte Praxis auch in Dresden, "stört" die Aufführung, ist aber "erlaubt" um die Leistung der Künstler zu honorieren. Auch im Theater ist Szenenapplaus erlaubt und mehr als ein Zeichen, dass das Publikum noch wach ist. Vielleicht setzen die beschimpften "Kulturbanausen" gerade einen Trend, wieder zu den Gepflogenheiten der sonst so guten alten Zeit zurückzukehren? Auch wenn ich auf das Klatschen in Satzpausen auch zukünftig verzichten werde, glaube ich nicht, damit Widerstand gegen die kommende Diktatur zu leisten. Also: Ausatmen und Ruhe bewahren!

W.S.
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  #8 (permalink)  
Alt 28.10.2010, 12:41
FrankN FrankN ist offline
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Registriert seit: 12.01.2008
Beiträge: 752
Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Also war das wohl eher eine Aktion im Sinne "back to the roots"?
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  #9 (permalink)  
Alt 29.10.2010, 09:27
Walter Schleiff Walter Schleiff ist offline
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Registriert seit: 07.02.2007
Beiträge: 783
Standard AW: Kunstrüpel und Kulturbanausen zur 3.10.-Feier in Bremen?

Zitat:
Zitat von FrankN Beitrag anzeigen
Also war das wohl eher eine Aktion im Sinne "back to the roots"?
Vielleicht. "Panta rhei", sagten die alten Griechen. Nichts bleibt wie es ist. natürlich wird in so einem Verhalten ein Wandel deutlich. Einige Zuhörer empfanden, aus welchem Grund auch immer, einen Pausenapplaus für richtig. Auch Benimmregeln sind einem schleichenden Wandel ausgesetzt. Nun ist das Klatschen ja auch nicht unhöflich oder despektierlich gegenüber den Künstlern, sondern nur nicht üblich. daraus jetzt die Vorboten einer kommenden Diktatur der Rücksichtslosen ableiten zu wollen, erscheint mir etwas gewagt.

W.S.
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