21.05.2012 16:49
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Der DLF übertrug soeben bis kurz vor 22.00 Uhr das Festkonzert anläßlich der Feierlichkeiten zum 3. Oktober aus Bremen. Gespielt wurde zuletzt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung: von Marek Janowski in einer Direktübertragung aus dem Bremer Konzerthaus "Die Glocke"
die 4. Sinfonie in e-moll Werk 98 von Johannes Brahms, seine reifeste musikalische Komposition und der glänzende Abschluß seines gesamten künstlerischen Schaffens. Es gebietet sich schon aus diesem Grunde, diesem Werk und den es aufführenden Musikern den nötigen Respekt zu zollen. Was mußte man als Zuhörer erleben? Es stockre einem vor Scham und Ärger fast der Atem: Bar jeweden Anstandsregeln, wie man sich als Zuhörer in einem Sinfoniekonzert zu verhalten hat, zerklatschte die geladene Highsociety die ganze festliche Stimmung, und zwar nicht etwa aus Versehen nach dem 1. Satz, nein, selbstredend nach JEDEM Satz dieser wunderbaren Sinfonie. Die festliche Stimmung wurde dadurch empfindlich gestört. Darau muß ich folgendes schlußfolgern: 1. Diese "Spitzen der Gesellschaft" und "Führer" von Parteien, Wirtschaft und Finanzwelt kennen offenbar die 4. Sinfonie von Brahms nicht, denn sonst wüßten sie, dass diese Sinfonie wie die meisten Sinfonien aus 4 Sätzen besteht. 2. Diese "Experten" unseres Staates kennen wahrscheinlich überhaupt keine Sinfoniekonzerte. 3. Sie merken in ihrer Arroganz und Abgehobenheit nicht einmal, dass sie sich daneben benommen haben. Denn sonst hätten sie den Beifall nach dem groben Patzer zum Ende des 1. Satzes zwischendurch unterlassen. Was ist das bloß für ein armseliger Haufen von Kulturbanausen und Kunstrüpel? Aber mir ist schon klar, warum sie sich so verhalten: Sie sind es gewohnt, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Beifall zu klatschen bzw. mit Beifall beklatscht zu werden, um aufzufallen, gesehen und gehört zu werden, und besonders auch über ihre eigenen Beiträge zu applaudieren. Sie benehmen sich eben, wie sie es gewohnt sind, wie im Patrlament, im Bierzelt und bei Büttenreden auf Perteitagen und Wirtschaftsforen. Ich empfehle dem Bundestagspräsidenten Lammert und den Landesparlamentspräsidenten aller Bundesländersowie den "Kapitänen" der Wirtschaft und Finanzwelt, für alle Abgeordneten bzw. Wirtschaftsführer eine Pflicht-Schulung einzuführen mit dem Thema: Wie verhalte ich mich kulturvoll und kunstverständig in der Öffentlichkeit? Diese Schulung sollte die Ermahnung einschließen, dass z.B. bei geistlichen Anlässen in Kirchen, also z.B. nach einer Predigt oder Messe oder nach dem Abendmahl oder dem Vaterunser NICHT geklatscht wird, auch nicht bei einer Taufe oder Beerdigung oder nach einer Grabrede am offenen Grabe oder am Totenbett eines Sterbenden. Mögen uns solche Peinlichkeiten wie in Bremen zukünftig tunlichst erspart bleiben! |
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Zitat:
Paulus schrieb an die Apatschen : Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen ! Aber mal im Ernst: In den Satzpausen wird selbstverständlich gehustet und nicht geklatscht. |
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Eine sich selbst feiernde und sich selbst huldigende Machtelite muss sich mit der möglichst unablässigen Selbstbeklatschung bestätigen.
Wer denn sonst, wenn nicht wir Sachsen müssen dass verstehen. Schließlich haben wir das doch bei allen öffentlichen Veranstaltungen zwischen 1949 und 1989 immer und immer wieder erlebt. Und mal ganz im Ernst. Haben wir denn noch immer nicht begriffen, was es mit der NEUEN SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT unserer verehrten, ehemaligen FDJ-Kaderfunktionärin Frau Dr. Angela Merkel es auf sich hat? Wer dass noch nicht realisiert hat, der lese sich einfach das Buch von Ludwig Erhard durch, in dem der gute Mann die Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft definiert hat und der es deshalb auch mit dem Titel "Wohlstand für alle" versehen hat. Und wer sich als ganz massiver Anarchist outen möchte, der lese auch gleich noch das Buch von Walter Eucken "Grundstätze der Wirtschaftspolitik" durch, mit dem der Mann, der überigens der Lehrer von Erhard gewesen ist, seine fundamentalen Gegenkonzepte zur nazistischen und stalinistischen Planwirtschaft festgeschrieben und zur Grundlage des westdeutschen Wirtschaftswunders gemacht hatte. Der Vergleich mit der heutigen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft, die den Kern dieser Neuen Sozialen Marktwirtschaft bildet, mit der Sozialen Marktwirtschaft der formierten Gesellschaft des Ludwig Erhard, wird ein Resumee unausweichlich machen: Wir haben es heute in Deutschland mit einem Kannibalkapitalismus zu tun, der aus der ehemals demokratisch und zivilgesellschaftlich verfassten Bundesrepublik Deutschland ein stänbdisch-korporierten Besitzstandsfeudalstaat gemacht hat, in welchem längst nicht mehr in hinreichendem Masse neue Vermögen durch gemeinsames konstruktives, also mehrwertschöpfendes Handeln geschaffen wird, sondern es nur noch darum geht, dass die Minderheit der systemischen Funktionäre die Bevölkerungsmehrheit immer mehr ihrer Kapitalreserven beraubt, um sich selbst faktisch mit den Apanagen zu versorgen, welche den neuen Herrschaften bei Hofe in Berlin, Dresden, München, Wiesbaden usw. ja offenbar nach deren Auffassung zustehen. Wir sollten uns aber als Volk darüber Rechenschaft ablegen, ob dem wirklich so ist und ob wir nach der stalinistischen Kaderfunktionärsdiktaturtruppe von Ulbricht und Honnecker jetzt diese neue kannibalkapitalistische Kaderfunktionärs(diktatur?)truppe im Gewand der Neuen Sozialen Marktwirtschaft tatsächlich aufoktruieren lassen wollen. Wenn dem heute Einhalt geboten wird, werdenn wir uns wohl die Zukunft dieser neuen Diktatur schon heute vom Halse schaffen können. |
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Also, ich finde es ja auch peinlich, wenn die Besucher das nicht wissen. In einem Schülerkonzert wäre es ja noch denkbar, aber nicht bei Erwachsenen. Aber was hier gleich wieder alles hineingedeutet wird, ist auch erstaunlich
Zitat:
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Ein interessanter Rückblick in die Welt der unterbelichteten Kulturbanausen. Musikhören als Disziplinübung.
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Also: Ausatmen und Ruhe bewahren!W.S. |
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Also war das wohl eher eine Aktion im Sinne "back to the roots"?
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Vielleicht. "Panta rhei", sagten die alten Griechen. Nichts bleibt wie es ist. natürlich wird in so einem Verhalten ein Wandel deutlich. Einige Zuhörer empfanden, aus welchem Grund auch immer, einen Pausenapplaus für richtig. Auch Benimmregeln sind einem schleichenden Wandel ausgesetzt. Nun ist das Klatschen ja auch nicht unhöflich oder despektierlich gegenüber den Künstlern, sondern nur nicht üblich. daraus jetzt die Vorboten einer kommenden Diktatur der Rücksichtslosen ableiten zu wollen, erscheint mir etwas gewagt.
W.S. |
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