09.02.2012 02:04
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Ich bedaure den Rücktritt von Dieter Althaus, politisch und menschlich, auch wenn er durchaus verständlich ist.
Was mir hier besonders absurd erscheint, ist die Phrase des politischen Gegners, Althaus sei "abgewählt" worden. Das thüringische Wahlrecht sieht "Abwählen" meines Wissens gar nicht vor. Man kann zugelassene Kandidaten oder Parteien wählen oder darauf verzichten, aber man kann keine Kandidaten abwählen. Und selbst wenn Althaus und die CDU in Thüringen gegenüber der letzten Wahl zweistellig verloren haben, haben sie immer noch die meisten Wählerstimmen bekommen. Die meisten Wählerstimmen! Wie kann ein klar denkender Mensch sich hinstellen und sagen, derjenige, der die meisten Wählerstimmen bekommen hat, sei "abgewählt" worden? |
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Althaus hat - genau wie Tillich - den Besuch von Herrn Ratzinger (der - wie auch schon sein Vorgänger - nicht gerade als Freund des lutherischen Protestantismus gilt) für nächstes Jahr in einem Stammland der Reformation forciert. Und zwar selbstherrlich über alle Befindlichkeiten der Menschen (Lutheraner und Nichtchristen) hinweg. Offenbar dachte man: The winner takes it all. Althaus wird Ratzinger nun nicht mehr persönlich begrüßen. v-x |
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Offen gesagt hatte ich schon etwas Zweifel an Althaus´ Charakter - sein Festhalten an der Kandidatur trotz offensichtlicher Angreifbarkeit hatte doch schon einen Geschmack von "Amtsgeilheit". Ich glaube schon, daß ein rechtzeitiger Schwenk auf z.B. Frau Lieberknecht der CDU einige Stimmverluste erspart hätte. |
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Gut, dass Sie mich daran erinnern.
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Und dann auch noch Zweifel an seinem Charakter: Amtsgeilheit ... Gab es nicht 94,5 Prozent Zustimmung bei der Nominierung trotz Abwesenheit? Erweitern Sie Ihre Zweifel dann eventuell auch auf die Charaktere der Parteitagsdelegierten? x-v |
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Wichtig ist nicht wie viele Abgeordnete einer Partei einen Stuhl haben, sondern wen das Parlament am Ende zum Regierungschef bzw. zur Regierung wählt. Und wenn Linke und SPD sich einigen (oder generell die selben Ziele hätten), haben doch mehr Leute diese Politik gewählt als die der CDU (+FDP). Sie müssen sich ein bisschen von dieser Parteilinie entfernen. Man hat ja gesehen, was diese in Hessen bedeutete. Angenommen es gibt dieses bürgerliche Lager aus CDU und FDP und das linke Lager aus SPD und Linke. Dan zählt doch am Ende nicht, dass sich im bürgerlichen Lager fast alle für die CDU (und nicht für FDP) entschieden haben und es sich im linken Lager gleichmäßig auf SPD und Linke aufteilt. Am Ende zält nur die Summe in den jeweiligen Lagern (zumindest wenn es um die Regierungsbildung geht). Apropos Hessen: Erinnert sich noch jeder daran, wie damals ein Wahlversprechen gebrochen wurde? Die SPD hatte versprochen nicht mit der Linken zu koalieren und wollte dieses Versprechen brechen. Und das wurde ihr von allen Seiten übel genommen, sogar aus den eigenen Reihen. Jetzt hat die SPD in Thüringen auch wieder so ein tolles Versprechen gegeben: "die CDU abwählen". Das bedeutet, dass sie unter keinen Umständen mit der CDU koalieren darf. Mal sehen, was es hierbei für ein Aufschrei gibt, wenn die SPD es wagt Koalitionsgespräche mit der CDU zu führen. Ob sich die CDU dann auch wieder so aufregt wie in Hessen? |
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Ich bin sicher kein Experte für Thüringer Landespolitik. Aber hätte man rechtzeitig eine der beiden Damen, die jetzt im Gespräch sind, als (unbelastete) Kandidatin mit Unterstützung von Althaus aufgebaut, wären meiner Ansicht nach die Stimmenverluste möglicherweise zu verhindern gewesen. Die hatten doch einiges mit der Person Althaus zu tun. Zitat:
Nun hat er´s ja getan - hoffentlich nicht zu spät. |
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Insofern hielt die Thüringer CDU „einen Politiker, der durch eigenes Fehlverhalten den Tod eines Menschen verursacht hat“ (wie Sie richtigerweise feststellen), nicht für angreifbar. Ihr Verständnis für die bewusste Entscheidung der Union, die Kandidatur von Althaus zu ermöglichen und an ihr festzuhalten, bedeutet andernfalls im Klartext das Primat von Parteiinteressen und Loyalität vor Landesinteressen. Tatsächlich gab es, darf man den Medien glauben, keine verdeckte Kritik am Kandidaten. Die Landes-CDU war willens, Althaus auch gegenüber der SPD durchzusetzen und komplett überrascht, als dieser zurücktrat. Mal abgesehen davon, dass dieses Festhalten am Amt des Ministerpräsidenten trotz der Verantwortung für den Unfall auch für mich, unabhängig übrigens von Althaus’ Parteizugehörigkeit, inakzeptabel war, halte ich es für unredlich, Althaus nun den alleinigen Schwarzen Peter zuzuschieben. Das war ein Vorgehen der gesamten Thüringer CDU. Offiziell gibt es nicht einmal eine Verbindung des Rücktritts zum Unfall, sondern es wird von einem Zugehen auf die SPD gesprochen. v-x |
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Ok, nennen Sie meinetwegen den Übergang von einer Regierung auf die nächste im Parlament "Abwahl" der alten Regierung. Das ist aber dann ein deutlich anderes Thema als die von mir kritisierte Phrase unmittelbar am Abend der Wahl. Ich meine andererseits schon zu verstehen, worauf Sie hinaus wollen. Sie interpretieren es als aktiven Vorgang des Abwählens, wenn man jemand seine Stimme nicht gibt. Aber auch da würde ich nicht mitgehen. Da ist mir zu viel "gegen jemand entscheiden" hinein interpretiert, auch wenn das im Einzelfall zutreffen mag. Selbst wenn wir aber mal zu Grunde legen, dass eine bestimmte Partei mit jeder an eine andere Partei vergebene Stimme "abgewählt" würde, dann wurde die CDU in Thüringen immerhin am wenigsten abgewählt. Diejenigen, die am Wahlabend von "CDU abgewählt" sprachen, waren selbst also noch weit mehr abgewählt. Und aus diesem Grund finde ich solch eine Äußerung absurd. |
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| Stichworte |
| althaus, demokratie, phrase, politik, thüringen |
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