09.02.2012 02:21

Ein Angebot der Dresdner Neueste Nachrichten


Zurück   Forum von DNN-Online > Aktuelle Themen > Nachrichten aus Deutschland

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
  #51 (permalink)  
Alt 01.10.2009, 11:52
Walter Schleiff Walter Schleiff ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 07.02.2007
Beiträge: 783
Standard AW: Nachtrag 6.Gebot : Töten oder Morden ?

[quote=visitor x;24677]Zumindest steht die Bundeslade vermutlich weder bei Michael noch bei chr.dresden in der Garage.

Das eine nicht richtig und das andere nicht falsch ... Die Notwendigkeit einer Übersetzung/Übertragung bestand für die Autoren aber trotzdem. Das heißt, es war eine adäquate Begrifflichkeit zu finden, die der - Achtung, schon wieder - Intention am nächsten kommt; über kulturanthropologische, sprachliche und zivilisatorische Grenzen und Epochen hinweg - inklusive eines Bedeutungswandels und religiös-ethischer Entwicklungen, die nebenbei noch abliefen.

Warum dieser Abwägungsprozess, wie ich meine sinnvollerweise, im Lateinischen und anschließend Deutschen zugunsten des Begriffes töten ausging, ist im Laufe dieser Diskussion schon einige Mal angesprochen worden. Das betrifft eben auch - und das war ja Anlass der Intervention - Fragen der Einordnung von Fahrlässigkeit.

Mit der Müßigkeit dieser Diskussion hätten Sie dann recht, wenn es um zwei fast gleichartiger Termini zur Beschreibung eines identischen Inhalts ginge. Hier wird aber mit der Einführung des Begriffes Morden auf eine wörtliche Auslegung des Gebotes abgezielt. Ich bin, ehrlich gesagt, über die Qualtität solcher Äußerungen überrascht. Entfernt erinnert das an den Beweis für die Nichtexistenz Gottes durch die sozialistische Raumfahrt.

Dass für Mose Tötung auch auf Fahrlässigkeit erstreckt, habe ich mit 4B.M.35 zu zeigen versucht. Ein Totschläger fiel im Gegensatz zum Mörder zwar unter Amnestie (Tod des Hohepriesters; Amtswechsel); aber ein "Nicht weiter schlimm - kann ja jedem passieren" gab es ausdrücklich nicht. Also entweder ist Mose Gesprächsgrundlage, dann bitte auch die Langfassung oder aber wir reden über germanisches oder römisches Rechtswesen, bzw. picken uns einfach überall das raus, was uns in den Kram passt oder worüber wir beim Surfen so stolpern. Dann ist die Diskussion über den Dekalog allerdings tatsächlich überflüssig.

Hier müssen auch Sie sich entscheiden.

x-v[/quote]

Als müßig sehe ich die Diskussion an, wenn sie nach Kriterien wie "richtig" und "falsch" geführt wird. Andernfalls könnten wir die Theologie als Wissenschaft ja abschaffen. Ich kann Ihren Ausführungen nur voll und ganz zustimmen. Ich muss zugeben, dass mir das erforderliche theologische Fachwissen fehlt, um die Heilige Schrift auslegen zu können. Das Word "töten" kommt meinem Verständnis auch näher als das vom Kontext heutiger Rechtssprache und wohl auch heutigen Rechtsempfindens enger definierte "morden". Aber so wie mit dem Wort "Du sollst nicht morden" nicht gemeint sein kann, dass Tötungen, die nach unserem heutigen Verständnis kein Mord sind, erlaubt sein sollen, so kann auch das Wort "Du sollst nicht töten" nicht jede Art von Tötung ausnahmslos verboten haben. Auch wenn wir uns also für den Satz "Du sollst nicht töten" entscheiden, sind damit nicht alle Probleme beseitigt. Das Töten von Tieren als Opfer oder Nahrungsmittel war nicht davon umfasst, wie auch für das das Töten von Menschen Ausnahmen bestanden, z.B. im Rahmen der damals üblichen Todesstrafe oder im Krieg, wie Sie bereits ausgeführt haben.
Die fahrlässige Tötung erscheint mir in der Gegenwart auch nicht als Problem. Auch Nicht-Christen dürfte die fahrlässige Tötung eines Menschen nicht als "erlaubt" erscheinen. Die Schuld des Täters bemisst sich hier am Grad der Fahrlässigkeit. Allerdings wird in unserer Gesellschaft über Fälle vorsätzlicher Tötung, Stichworte: Abtreibung, Euthanasie in Form aktiver Sterbehilfe, in einer für mich als Christen nur schwer erträglichen Leichtfertigkeit diskutiert. Hier treten oft Einstellungen zur vorsätzlichen Tötung eines Menschen zu tage, die für mich mit dem 5. Gebot nicht mehr im Einklang stehen, ganz gleich, ob es nun um "töten" oder "morden" geht. Wobei meiner Ansicht nach gerade bei letztgenanntem Thema deutlich wird, wie gefährlich es ist, die zunächst wordmächtigere Übersetzung "morden" zu verwenden, weil dieser Begriff nach heutigem Verständnis diese Tötungshandlungen nicht deutlich genug einbezieht.

W.S.
Digg this Post!Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiFurl this Post!Wong this Post!Google Bookmark this Post!Yahoo Bookmark this Post!Live Bookmark this Post!Bookmark to AskJeeves!Spurl this Post!
Mit Zitat antworten
  #52 (permalink)  
Alt 01.10.2009, 16:20
chr.dresden chr.dresden ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 05.07.2008
Beiträge: 284
Standard AW: Nachtrag 6.Gebot : Töten oder Morden ?

Zitat:
Zitat von visitor x Beitrag anzeigen
Zumindest steht die Bundeslade vermutlich weder bei Michael noch bei chr.dresden in der Garage.
Diese "Anmaßung" scheint Sie ja im Schlaf zu verfolgen. Vielleicht beruhigt es Sie ja, wenn ich Ihnen versichere, dass ich Ihre Meinung zur sinnfälligeren Formulierung durchaus verstanden habe. Meine unterscheidet sich eben davon, aber ich dachte, das wäre nun längst zu den Akten gelegt. Oder glauben Sie, dass wiederholtes Aufkochen und Ihr abfälliger Unterton was Überzeugendes haben und die beiden Blasphemiker zu Kreuze kriechen? Dann machen Sie ruhig weiter. Amüsant ist es allemal.
Digg this Post!Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiFurl this Post!Wong this Post!Google Bookmark this Post!Yahoo Bookmark this Post!Live Bookmark this Post!Bookmark to AskJeeves!Spurl this Post!
Mit Zitat antworten
  #53 (permalink)  
Alt 02.10.2009, 10:03
visitor x visitor x ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 20.05.2009
Beiträge: 291
Standard AW: Nachtrag 6.Gebot : Töten oder Morden ?

Zitat:
Zitat von Walter Schleiff Beitrag anzeigen
Als müßig sehe ich die Diskussion an, wenn sie nach Kriterien wie "richtig" und "falsch" geführt wird. Andernfalls könnten wir die Theologie als Wissenschaft ja abschaffen. Ich kann Ihren Ausführungen nur voll und ganz zustimmen. Ich muss zugeben, dass mir das erforderliche theologische Fachwissen fehlt, um die Heilige Schrift auslegen zu können. Das Word "töten" kommt meinem Verständnis auch näher als das vom Kontext heutiger Rechtssprache und wohl auch heutigen Rechtsempfindens enger definierte "morden". Aber so wie mit dem Wort "Du sollst nicht morden" nicht gemeint sein kann, dass Tötungen, die nach unserem heutigen Verständnis kein Mord sind, erlaubt sein sollen, so kann auch das Wort "Du sollst nicht töten" nicht jede Art von Tötung ausnahmslos verboten haben. Auch wenn wir uns also für den Satz "Du sollst nicht töten" entscheiden, sind damit nicht alle Probleme beseitigt. Das Töten von Tieren als Opfer oder Nahrungsmittel war nicht davon umfasst, wie auch für das das Töten von Menschen Ausnahmen bestanden, z.B. im Rahmen der damals üblichen Todesstrafe oder im Krieg, wie Sie bereits ausgeführt haben.
Die fahrlässige Tötung erscheint mir in der Gegenwart auch nicht als Problem. Auch Nicht-Christen dürfte die fahrlässige Tötung eines Menschen nicht als "erlaubt" erscheinen. Die Schuld des Täters bemisst sich hier am Grad der Fahrlässigkeit. Allerdings wird in unserer Gesellschaft über Fälle vorsätzlicher Tötung, Stichworte: Abtreibung, Euthanasie in Form aktiver Sterbehilfe, in einer für mich als Christen nur schwer erträglichen Leichtfertigkeit diskutiert. Hier treten oft Einstellungen zur vorsätzlichen Tötung eines Menschen zu tage, die für mich mit dem 5. Gebot nicht mehr im Einklang stehen, ganz gleich, ob es nun um "töten" oder "morden" geht. Wobei meiner Ansicht nach gerade bei letztgenanntem Thema deutlich wird, wie gefährlich es ist, die zunächst wordmächtigere Übersetzung "morden" zu verwenden, weil dieser Begriff nach heutigem Verständnis diese Tötungshandlungen nicht deutlich genug einbezieht.

W.S.
Ich bin Ihnen dankbar für das Schlüsselwort von der Leichtfertigkeit. Die erwähnten Beispiele zeigen, wie schwierig eigene Standortbestimmung zwischen ebendieser Leichtfertigkeit und den verschiedenen Formen eines christlichen Fundamentalismus auch ohne die Übersetzungsdiskussion ist.

v-x
Digg this Post!Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiFurl this Post!Wong this Post!Google Bookmark this Post!Yahoo Bookmark this Post!Live Bookmark this Post!Bookmark to AskJeeves!Spurl this Post!
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Stichworte
althaus, demokratie, phrase, politik, thüringen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist aus.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are an
Pingbacks are an
Refbacks are an



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:21 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.5 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Friendly URLs by vBSEO 3.3.2
Copyright © 2005 - 2010 by DNN-Online