AW: Nachtrag 6.Gebot : Töten oder Morden ?
[quote=visitor x;24677]Zumindest steht die Bundeslade vermutlich weder bei Michael noch bei chr.dresden in der Garage.
Das eine nicht richtig und das andere nicht falsch ... Die Notwendigkeit einer Übersetzung/Übertragung bestand für die Autoren aber trotzdem. Das heißt, es war eine adäquate Begrifflichkeit zu finden, die der - Achtung, schon wieder - Intention am nächsten kommt; über kulturanthropologische, sprachliche und zivilisatorische Grenzen und Epochen hinweg - inklusive eines Bedeutungswandels und religiös-ethischer Entwicklungen, die nebenbei noch abliefen.
Warum dieser Abwägungsprozess, wie ich meine sinnvollerweise, im Lateinischen und anschließend Deutschen zugunsten des Begriffes töten ausging, ist im Laufe dieser Diskussion schon einige Mal angesprochen worden. Das betrifft eben auch - und das war ja Anlass der Intervention - Fragen der Einordnung von Fahrlässigkeit.
Mit der Müßigkeit dieser Diskussion hätten Sie dann recht, wenn es um zwei fast gleichartiger Termini zur Beschreibung eines identischen Inhalts ginge. Hier wird aber mit der Einführung des Begriffes Morden auf eine wörtliche Auslegung des Gebotes abgezielt. Ich bin, ehrlich gesagt, über die Qualtität solcher Äußerungen überrascht. Entfernt erinnert das an den Beweis für die Nichtexistenz Gottes durch die sozialistische Raumfahrt.
Dass für Mose Tötung auch auf Fahrlässigkeit erstreckt, habe ich mit 4B.M.35 zu zeigen versucht. Ein Totschläger fiel im Gegensatz zum Mörder zwar unter Amnestie (Tod des Hohepriesters; Amtswechsel); aber ein "Nicht weiter schlimm - kann ja jedem passieren" gab es ausdrücklich nicht. Also entweder ist Mose Gesprächsgrundlage, dann bitte auch die Langfassung oder aber wir reden über germanisches oder römisches Rechtswesen, bzw. picken uns einfach überall das raus, was uns in den Kram passt oder worüber wir beim Surfen so stolpern. Dann ist die Diskussion über den Dekalog allerdings tatsächlich überflüssig.
Hier müssen auch Sie sich entscheiden.
x-v[/quote]
Als müßig sehe ich die Diskussion an, wenn sie nach Kriterien wie "richtig" und "falsch" geführt wird. Andernfalls könnten wir die Theologie als Wissenschaft ja abschaffen. Ich kann Ihren Ausführungen nur voll und ganz zustimmen. Ich muss zugeben, dass mir das erforderliche theologische Fachwissen fehlt, um die Heilige Schrift auslegen zu können. Das Word "töten" kommt meinem Verständnis auch näher als das vom Kontext heutiger Rechtssprache und wohl auch heutigen Rechtsempfindens enger definierte "morden". Aber so wie mit dem Wort "Du sollst nicht morden" nicht gemeint sein kann, dass Tötungen, die nach unserem heutigen Verständnis kein Mord sind, erlaubt sein sollen, so kann auch das Wort "Du sollst nicht töten" nicht jede Art von Tötung ausnahmslos verboten haben. Auch wenn wir uns also für den Satz "Du sollst nicht töten" entscheiden, sind damit nicht alle Probleme beseitigt. Das Töten von Tieren als Opfer oder Nahrungsmittel war nicht davon umfasst, wie auch für das das Töten von Menschen Ausnahmen bestanden, z.B. im Rahmen der damals üblichen Todesstrafe oder im Krieg, wie Sie bereits ausgeführt haben.
Die fahrlässige Tötung erscheint mir in der Gegenwart auch nicht als Problem. Auch Nicht-Christen dürfte die fahrlässige Tötung eines Menschen nicht als "erlaubt" erscheinen. Die Schuld des Täters bemisst sich hier am Grad der Fahrlässigkeit. Allerdings wird in unserer Gesellschaft über Fälle vorsätzlicher Tötung, Stichworte: Abtreibung, Euthanasie in Form aktiver Sterbehilfe, in einer für mich als Christen nur schwer erträglichen Leichtfertigkeit diskutiert. Hier treten oft Einstellungen zur vorsätzlichen Tötung eines Menschen zu tage, die für mich mit dem 5. Gebot nicht mehr im Einklang stehen, ganz gleich, ob es nun um "töten" oder "morden" geht. Wobei meiner Ansicht nach gerade bei letztgenanntem Thema deutlich wird, wie gefährlich es ist, die zunächst wordmächtigere Übersetzung "morden" zu verwenden, weil dieser Begriff nach heutigem Verständnis diese Tötungshandlungen nicht deutlich genug einbezieht.
W.S.
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