
09.09.2009, 13:46
|
|
Senior Member
|
|
Registriert seit: 25.05.2007
Beiträge: 528
|
|
AW: Althaus-Rücktritt: politische Phrasen
Zitat:
Zitat von visitor x
Moderate Stimmen, die Althaus nach seinem Unfall geraten hatten, vorübergehend auf eine exponierte politische Verantwortung zu verzichten, gab es ausreichend. Davon wollten weder die Landes-CDU, noch Althaus selbst etwas wissen. Im Gegenteil; die Union bemühte sich um ein Agreement, den Unfall komplett aus der politischen Auseinandersetzung herauszuhalten. Die Opposition akzeptierte, Althaus aber ging selbst mit der Tragödie hausieren.
Insofern hielt die Thüringer CDU „einen Politiker, der durch eigenes Fehlverhalten den Tod eines Menschen verursacht hat“ (wie Sie richtigerweise feststellen), nicht für angreifbar. Ihr Verständnis für die bewusste Entscheidung der Union, die Kandidatur von Althaus zu ermöglichen und an ihr festzuhalten, bedeutet andernfalls im Klartext das Primat von Parteiinteressen und Loyalität vor Landesinteressen. Tatsächlich gab es, darf man den Medien glauben, keine verdeckte Kritik am Kandidaten. Die Landes-CDU war willens, Althaus auch gegenüber der SPD durchzusetzen und komplett überrascht, als dieser zurücktrat.
Mal abgesehen davon, dass dieses Festhalten am Amt des Ministerpräsidenten trotz der Verantwortung für den Unfall auch für mich, unabhängig übrigens von Althaus’ Parteizugehörigkeit, inakzeptabel war, halte ich es für unredlich, Althaus nun den alleinigen Schwarzen Peter zuzuschieben. Das war ein Vorgehen der gesamten Thüringer CDU. Offiziell gibt es nicht einmal eine Verbindung des Rücktritts zum Unfall, sondern es wird von einem Zugehen auf die SPD gesprochen.
v-x
|
Kann sein, daß die Thüringer CDU von sich aus nicht auf Althaus verzichten wollte - mit fehlt da einfach Insider-Wissen.
Wobei ich Ihrer Begründung hierfür (hielten Althaus nicht für belastet und unterstützen ihn deshalb) nicht so folgen würde.
Gestern hörte ich im Radio einen Bericht über Althaus, in welchem festgestellt wurde, daß Althaus Entscheidungen wohl gern einsam und ohne vorherige Rücksprache mit Vertrauten (es fiel das Wort "autistisch") traf. Und nach dem öffentlich verkündeten "Ich trete an" brauch´s eben dann doch eine ganz spezielle Motivation (eigene Ambitionen auf Höheres, Angst um eigenes Mandat bei schlechterem Wahlergebnis), um innerhalb der CDU dann den "Königsmörder" zu geben.
Ich gehöre sicher nicht zu denen, die Politiker pauschal für unfähig und egoistisch halten. Aber daß bei denen hin und wieder Parteiinteressen vor Landesinteressen gehen, glaube ich schon.
Wenn Ihre Annahme stimmt, daß die CDU-Fraktion tatsächlich Althaus´ Kandidatur von sich aus unterstützte, könnte ich mir nur vorstellen, daß nach deren Ansicht Pluspunkte wie Amtsbonus, akzeptable "Performance" in der vergangenen Legislaturperiode o.ä. den Malus der "Angreifbarkeit durch eigenes (folgenträchtiges) Fehlverhalten" aufwiegen.
Davon, daß der Wähler ein solches Ereignis ignorieren oder gar irgendwie positiv werten (so eine Art "Mitleidsbonus für den Schuldbeladenen") könnte, wird in der Thüringer CDU kaum einer ausgegangen sein.
|