21.05.2012 16:18
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Sachsen hält sich beim geplanten Gesetz zum Nichtraucherschutz weiter bedeckt. Bei einer Debatte im Landtag ging Gesundheitsministerin Helma Orosz (CDU)nicht auf Details ein, wie das Land den Schutz für Betroffene verbessern will. Orosz hatte sich wiederholt für einen umfassenden Nichtraucherschutz ausgesprochen. Offenkundig gibt es in der Regierung aber noch Unstimmigkeiten.
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Soll da etwa von wichtigeren Themen, für die bisher keine Lösung gefunden wurde oder in Aussicht ist, abgelenkt werden, wenn jetzt ein allgemeines Rauchverbot vorbereitet wird?
Die Marktwirtschaft als allseits gültig betrachtetes Konzept soll doch weitgehend alle Probleme selbst lösen. Dieser Regel folgend brauchten die Gaststätten nur selbst ein Rauchverbot auszusprechen - dazu bedarf es keiner Gesetzesregelung -, und die Gäste kämen in Scharen. (Daß dies anders ist, zeigen die trüben Erfahrungen mit der DDR-Nichtrauchergastronomie.) Darüber entscheiden offensichtlich diejenigen, die meist nur mit dem Auto (deshalb bleiben sie auch nicht längere Zeit dort) in Gaststätten essen fahren, die Gaststätten als Zentrum der Kommunikation nicht mehr kennen, die "massenhaft einzeln" sind, die Genuß verteufeln. (Rauchen ist nicht nur eine Sucht, sondern auch Genuß. Es gibt schädlichere Gifte.) In deutschen Landen ist man für Ordnungsgebietendes im Kleinen empfänglich. Ich höre schon die Blockwart-Typen! Verbote gelten hierzulande uneingeschränkt. Deshalb sind die Beispiele aus anderen Ländern hier nicht gültig. Von wichtigeren Problemen soll offensichtlich abgelenkt werden:
Wenn man unfähig ist, diese zu lösen, dann diskutiert man offensichtlich lieber über Unwichtiges ("die Juden und die Radfahrer", neuerdings "die Raucher") und gaukelt damit einem von Privatmedien zu Unterhaltung um scheinbar jeden Preis erzogenen Publikum Kompetenz vor. |
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Also der Kommentar ist ja wohl an Sinnleere kaum zu überbieten! Tut mir leid, dass ich so direkt werden muss, aber was anderes fällt mir dazu nicht ein!
Probleme sollten also nicht gelöst werden, solange es wichtigere Probleme gibt??? Unabhängig davon, ob die Lösung eines weniger "wichtigen" Problems leichter zu bewerkstelligen ist??? Aber von einem Problem gehen Sie ja ohnehin nicht aus. Es gibt schließlich schlimmere Gifte und solange das der Fall ist, sind die von Rauchern ausgehenden Gifte unerheblich (Analogie zu oben)? Für Nichtraucher ist es im Übrigen gewiss kein Genuss, in einer verrauchten Gaststätte oder Bar zu sitzen. Ihnen als offensichtlicher Raucher fällt dies vermutlich nicht auf. Aber mal abgesehen von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen, denen man sich da auch als Passivraucher aussetzt, bleibt ein widerlicher Gestank an den Kleidern hängen. Bei mir landen die nach einem Kneipenbesuch in der Regel in der Wäsche! Und daraus, dass es kaum Nichtrauchergaststätten, -bars oder -kneipen auf freiwilliger Basis gibt, schließen Sie also, dass die Mehrheit der Deutschen das Rauchen in derartigen Lokalitäten begrüßt? Ich sehe darin nur eine Bequemlichkeit der jeweiligen Betreiber. Denn die müssten sich in der Tat, solange es noch Raucherlokale gibt, eine andere Kundschaft erschließen. Als Nichtraucher bleibt einen somit nichts Anderes übrig, als den Qualm zu erdulden. Zuguterletzt muss man sicher auch verdeutlichen, dass nicht die Restaurants, in denen zumeist noch relativ wenig geraucht wird, das Problem darstellen, sondern Bars, Kneipen, Diskotheken etc. Eine Regelung lediglich für Restaurants zu treffen, wie immer man das im Übrigen abgrenzen will, geht somit am Problem vorbei. Und das liegt nicht darin, dass sich mal jemand zwei oder drei Zigaretten am Abend ansteckt, sondern dass von vielen Rauchern ohne Rücksicht auf Verluste bis zum Gehtnichtmehr gequalmt wird, egal wie stickig die Luft auch ist! |
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Wer "Sinnleere" vorwirft, mit dem läßt sich nicht diskutieren.
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Ein Artikel dazu aus der Zeitung "Die Zeit":
http://www.zeit.de/online/2007/01/ra...ssert-die-welt |
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Es liegt an Ihnen, den Sinn Ihres Beitrags darzulegen. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand den kleinen Verboten des Alltags generell kritisch gegenüber steht, erst recht, wenn neue Verbote hinzukommen. Aber dann müssen insbesondere Raucher erklären, warum Nichtraucher ihrer Meinung nach den Zigarettenqualm der Raucher in öffentlich zugänglichen Räumen erdulden müssen. Sie erwarten da als Raucher eine Toleranz, die Sie selbst nicht zu gewähren bereit sind!
Im Übrigen hilft es auch wenig, einen ZEIT-Artikel zu zitieren, der lediglich die Gedanken des Autors zum Thema wiedergeben soll. Den Genuss einer Zigarre kann ich gut nachvollziehen. Nur ist die Belastung anderer durch einen Zigarrenraucher eben im Vergleich zu einem gewöhnliche Zigaretten rauchenden Kettenraucher relativ gering. Wenn sich die Mehrheit der Raucher auf eine kultivierte Art des Rauchens beschränken würde, müsste man das Rauchen vermutlich auch nicht verbieten! |
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Mit diesem Argument kann ich alles Nichtstun begründen. Es gibt immer etwas "wichtigeres", als dass, was ein anderer gerade für wichtig hält. Allerdings kommt hier mal wieder alles gute von "oben", sprich aus Brüssel. Meiner Meinung nach könnte die politische Energie auch für andere Themen sinnvoller verwendet werden. Die Lösung von Scheinproblemen ist allerdings eine beliebte Beschäftigung - nicht nur in der Politik.
Unser deutsches Problem mit solchen Forderungen ist die Neigung, gleich das Kinde mit dem Bade auszuschütten. Wenn der Staat das Rauchen für gefährlich (was es zweifellos auch ist) und überflüssig hält, so soll oder muss in allen Bereichen, wo die "öffenliche Hand" das Hausrecht hat, das Rauchen verboten werden. Einverstanden. Ob der Staat aber einem Gastwirt verbieten dürfen soll, seine Gäste rauchen zu lassen, ist fraglich. Niemand ist gezwungen, in eine verrauchte Gaststätte zu gehen. Ich verzichte als überzeugter Nichtraucher auf den Besuch in "Räucherhöhlen". Bleiben wegen 2 Rauchern 10 Nichtraucher weg, wird sich der Gastwirt schon überlegen, etwas zu ändern. Diese Selbstregulierung ist aber zu einfach. Da muss ein Gesetz her mit einer Grundregel und 99 Auusnahmen. Feinsinnige Unterscheidungen zwischen "Gaststätte" und "Kneipe", "Bar" und "Nachtbar" und was weiß ich noch alles verlangen - und das ist ernst gemeint - viel juristischen Verstand ohne dass das Ergebnis überzeugen können wird. Im privaten Raum muss jeder selbsr entscheiden dürfen, ob er etwas zulässt, was grundsätzlich erlaubt ist. W.S. |
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Zunächst sieht es ja danach aus, dass es eben nicht die zu befürchtenden Differenzierungen zwischen Gaststätte, Bar, Kneipe usw. geben wird (http://www.zeit.de/online/2007/06/ra...ot-gaststaette). Es sei denn, ich missverstehe die Nachrichten und die Einigung bezieht sich nur auf Gaststätten im engeren Sinne. Sicher bin ich mir da nicht, die Nachrichten sind da nicht sehr klarstellend.
Was die Kritik an der Europäischen Kommission angeht, muss man fairerweise auch dazu sagen, dass die sich sehr wohl auch für "wichtigere" Themen engagiert. Ich verweise nur auf den Konflikt mit den Stromkonzernen zu deren Quasi-Monopolstellung oder mit den Automobilherstellern hinsichtlich der Abgasgrenzwerte. Vielleicht (noch) nicht immer mit den objektiv erwünschten Ergebnis, aber die Erfolge sind unübersehbar (siehe Telekommmunikationsmarkt). Insofern sei es der Kommission auch gestattet, sich dem Nichtraucherschutz zu widmen! ;-) Zitat:
Die angesprochene Selbstregulierung funktioniert meines Erachtens nicht. Natürlich wägt man da als Nichtraucher ab. Aber letztlich kann man den Rauchern doch nicht aus den Weg gehen und die Belästigung kennt man oft auch erst dann, wenn man in der Kneipe sitzt und den kettenrauchenden Nachbartisch registriert. Wenn man da als Nichtraucher konsequent sein würde, würde sich die Auswahl der Lokale praktisch auf Null reduzieren! Man muss sich da m. E. auch mal in die Rolle des Gastwirtes versetzen. Der kann natürlich durch eine gute Entlüftung und ggf. Nichtraucherzonen auf die Wünsche von Nichtrauchern Rücksicht nehmen. Nur gerade in den kleinen Kneipen ist dies zumeist nur begrenzt umsetzbar. Und was soll der Wirt da machen, wenn mal wieder besonders viele Besucher meinen, qualmen zu müssen? Das Rauchen für die nächste halbe Stunde verbieten, sich also zumindest mit einem gewissen Teil der Kundschaft anlegen? Da bleibt ihm nur ein generelles Rauchverbot, was für ihn aber wiederum ein riskantes Unterfangen ist, solange die Raucher in seiner Kundschaft zwischen ausreichend anderen Kneipen ohne Rauchverbot auswählen können. Wer verliert schon gern Kundschaft, zumal, wenn dies die Existenz des Unternehmens gefährden kann. |
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Herr Richter, Ihre Argumente pro Rauchverbot sind nicht von der Hand zu weisen. Am bequemsten wäre es sicherlich für den Gastwirt in Ihrem Beispiel, wenn es ein generelles verbot gäbe.
Es besteht aber ein Hang zur Zwangsbeglückung in gewissen Kreisen. Mit den Schlagworten Sicherheit, Gesundheit, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit kann ich die individuellen Freiräume in dieser Gesellschaft schnell einschränken. Ist aber der Gewinn, den ein generelles Rauchverbot auch in privaten für die Öffentlichkeit geöffneten Räumen bringt, den Verlust an individueller Freiheit wert? Ist es vielleicht auch möglich, im Rahmen offenbar antiquierter Begriffe wie Anstand, Rücksichtnahme und Höflichkeit ein "generelles Rauchverbot" zu erreichen. Muß diese Gesellschaft nicht wieder lernen, dass nicht alles, was grundsätzlich erlaubt ist, auch jederzeit getan werden kann? War es nicht einmal üblich nicht zu rauchen, wenn ein anderer (noch) aß? In Zeiten, in denen ständig von Bürger- und Zivilgesellschaft die Rede ist, sollte gerade dieser Aspekt in der Diskussion eine Rolle spielen. Gesetzliche Verbote, an denen wir nicht gerade arm sind, provozieren meiner Ansicht nach eine fatale Folge. Nämlich den Schluß, alles was nicht verboten ist, ist erlaubt. Diese Einstellung ist aber der Untergang jeder freiheitlichen Verfassung. Wir verlernen mit jedem Verbot, Verantwortung für unsere Entscheidungen zu tragen. Ich bin selbst überzeugter Nichtraucher, der auch nie geraucht hat. Ich erwarte, dass ein Raucher in meiner Gegenwart nicht raucht, weil er auf mich Rücksicht nimmt und nicht, weil "Vater Staat" es ihm verboten hat. Eine Rückbesinnung auf alte Tugenden erscheint mir auch beim Rauchen in der Öffentlichkeit sinnvoller, als ein plumpes Verbot. Dazu braucht es aber mehr Mut, mehr Offenheit und mehr Toleranz aller Bürger. Wenn wir die nicht üben, helfen im öffentlichten Ruam auch keine Verbote. W.S. |
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