21.05.2012 16:11
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Bei den Diskussionen über die klaffende Lohnschere wurde noch nicht die prozentuale Lohnerhöhung betrachtet. Machen da Gewerkschaften einen Fehler, wenn meist prozentuale Erhöhungen vereinbart werden?
Beispielsweise ergeben sich bei jährlicher Erhöhung von 3% (schöner Wert ) von 1000€ nach 5 bzw. 10 Jahren : 1159€ bzw. 1343 € von 2000€ nach 5 bzw. 10 Jahren : 2318€ bzw. 2687 € von 3000€ nach 5 bzw. 10 Jahren : 3477€ bzw. 4031 € Sollte nicht besser erst ein Teil-Inflationsausgleich als Basis vereinbart werden ? Was sagen die Volkswirtschaftler? |
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Zitat:
Ich bin keine Volkswirtschaftler. Bei prozentualen Erhöhungen über alle Gehaltsstufen hinweg gibt es keine "Lohnschere". Die Abstände bleiben gleich. In der Vergangenheit wurden häufig die niedrigen Lohngruppen stärker erhöht als die höheren. Diese "Wohltat" haben viele Arbeitnehmer mit dem Verlust ihres Arbeistplatzes bezahlt, weil ihre Arbeit schlicht zu teuer wurde. Deren Arbeitskosten näherten sich zwar dem Niveau besser qualifizierter, nicht aber ihre Qualifikation. Irgendwann ist eine Kehrmaschine dann eben billiger als ein Mann mit Besen. Leider! W.S. |
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Nö, das muss alles prozentual erfolgen. Wenn wir z.B. alles um 3% erhöhen. Alle PReise, alle Gehälter,.. eben alles. Dann sind wir wieder beid en gleichen Relationen, nur in einem anderen Zahlenbereich. Wenn man alles um 10Euro erhöhen würde, wären die Verhältnisse anders.
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Mitunter gibt es Sockelbeträge, wie dieses Jahr bei Verdi 50 EUR.
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Zitat:
Weder die Arbeitgeberverbände noch die Gewerkschaften sind aber Willens oder in der Lage, daraus Konsequenzen zu ziehen. Im Gegenteil, man erweckt den Eindruck, als könnte man weitermachen wie bisher. Wenn die Gehälter der Arbeitnehmer nicht flexibler an die wirtschaftliche Situation der Unternehmen gekoppelt werden, wird es so bleiben, dass zu Tarifen gearbeitet werden muss, die der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht angepaßt sind. Dass also entweder zu wenig oder auch zu viel verdient wird. Letztere Alternative bedeutet letztlich den Verlust des Arbeitsplatzes. Natürlich darf die Flexibilisierung nicht dazu führen, dass der einfache Arbeitnehmer das volle Unternehmerrisioko trägt. Es darfauch nicht zu unkalkulierbaren Gehaltsschankungen kommen, denn dazu fehlt den Arbeitnehmern das finanzielle Polster, sinkende Einnahmen aufzufangen. Ich sehe grundsätzlich in moderaten Erhöhungen des Grundgehalts und in deutlich am Unternehmensgewinn orientierten einmaligen oder befristeten Zuschlägen einen Weg, die Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens gerechter zu beteiligen als bisher. In fetten Jahren gibt es mehr, in mageren eben weniger. Solch ein System dauerhaft funktionsfähig einzurichten, ist sicherlich eine schwierige und komplizierte Aufgabe. Aber im Ausdenken komplizierter Tarifsysteme sind die Tarifparteien eigentlich geübt. Im Interesse einer funktionierenden und prosperierenden Wirtschaft sollten Arbeitgeber und Gewerkschaften, unterstützt von den Parteien durch eine innovative Tarifpolitik den Rattenfängern von links und rechts im politischen Spektrum die Flöte aus dem Munde nehmen. Staatliche Umverteilung und Regulierung funktioniert auf Dauer nicht. Schon jetzt verschlingtder staatliche Umverteilungsapparat Milliardensummen und erreicht ein Ergebnis, dass von allen als unbefriedigend angesehen wird. Wenn die Lafontainsche SED tatsächlich die Politik in diesem Land steuern könnte, wären wir wirtschaftlich bald wieder da, wo sich die DDR 1989 befand. Der Nachteil wäre nur, das wir keinen Westen mehr hätten, an den wir uns anhängen könnten. Die Bereitschaft Frankreichs zur Wiedervereinigung des Karolingischen Reiches dürfte sich dann in Grenzen halten. ![]() W.S. |
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Durch den Zinseszins-Effekt bleiben die Abstände nicht gleich. Im Beispiel gibt es für den Verdiener von anfangs 3000€ nach 10 Jahren 1031 mehr, das ist fast der Einstand der 1. Zeile.
Zusätzlich kann der Mehrverdiener das von den Grundausgaben übrige Geld sich vermehrend anlegen. seerose990 |
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Das mit der Mathematik ist so eine Sache. Was Sie meinen sind die absoluten Abstände, das stand aber nicht zur Debatte. Wenn Sie die Sache prozentual betrachten bleibt alles so. Nämlich das Verhältnis wie im Beispiel:1:2:3. Das nur zur Erklärung.
Die Anpassung der Löhne an die Situation der Betriebe ist doch wohl eine "Glaubensfrage" und das sollten wir der Kirche überlassen. Das Übel aller Dinge ist m.E. ist die nicht mehr beherrschbare Zuordnung von Werten. Da steht einmal die Arbeit. Qualifizierte Arbeitnehmer sind teurer. Und dort beginnt das Dilemma. Um Arbeitslohn zu sparen werden minder qualifizierte Arbeitnehmer, z.T. an "hochqualifizierten" Maschinen eingesetzt. Diese Automatisierung führt trotz aller technischer Notwendigkeit zu sinkenden Arbeitslöhnen. Die damit verbundene monotone einfache Anforderung an den Arbeitnehmer wirkt demotivierend und bildungshemmend. Qualifizierte Arbeit wird verlagert. Diese leisten die Automatenhersteller, vor allem die Entwickler. Dort wird auch gut verdient. Aber die Anzahl der gut verdienenden wird zwangsweise kleiner. Die Auswirkung kann man auch an den Preisen erkennen, obwohl Preis und Wert einer Ware auch nicht mehr proportional sind. Aber immerhin ist ein technisches Gerät, z.B. ein Fernsehgerät sehr preiswert geworden. Wenn Sie aber eine Handwerksleistung mit vorwiegend manueller Arbeit in Anspruch nehmen, so ist diese im Verhältnis sehr teuer. Denken Sie mal 20 Jahre zurück - da war das Verhältnis noch "normal". Heute müssen Sie meist mehrere Stundenlöhne einsetzen um eine Handwerkerstunde zu bezahlen. Da spielen sicher auch Steuern und Abgaben eine Rolle. Ich finde dort sollte man nachdenken und ändern. |
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Zitat:
Ihre Ansichten über die Wirkungsweise der Automatisierung teile ich allerdings nicht. Das Beispiel mit dem Fernsehgerät hinkt - denn auch vor der Automatisierung war dessen Produktion eher weniger etwas für Hochqualifizierte (Leiterplattenbestückung u.ä.). Ich denke eher, daß die Ansprüche an das Wissen der Arbeitnehmer in vielen Bereichen (ähnlich wie bei den oben beschriebenen Handwerksleistungen) gestiegen sind. Rein manuelle Jobs werden immer seltener. Dadurch werden schlecht Qualifizierte zunehmend "abgehängt" (vgl. steigende Anzahl von Langzeitarbeitslosen). Dafür gibt es aber zunehmend Arbeiten, für die eine sehr hohe Qualifikation verlangt wird, die teilweise schwer zu bekommen ist und deshalb gut bezahlt wird. Ich denke, in diesen zunehmenden Qualifikationsanforderungen liegt die Ursache für die "Lohnschere". "Unten" fehlen Jobs für Geringqualifizierte --> Überangebot an Bewerbern --> sinkende Löhne. "Oben" braucht man immer mehr gutqualifizierte Ingenieure --> (teilweise) Fachkräftemangel --> hohes Lohnniveau. |
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Sicher ist das Beispiel nicht allumfassend. Ihre Gedanken sind schon richtig. Warum wird denn automatisiert? Um die Produktivität zu erhöhen in jedem Falle. Und steigende Produktivität führt logischerweise zu Arbeitsplatzabbau in der automatisierten Struktur. Sicher entstehen an anderer Stelle neue (hochqualifizierte) Arbeitsplätze. Aber erstens sind das wenige und das Anforderungsprofil ist ein ganz anderes. Also bleiben die minder qualifizierten auf der Strecke. Dort liegt für meine Begriffe das Problem. Diese Leute werden in Billigjobs und sog. 1-Euro-Jobs abgedrängt. Das stört aber langfristig den sozialen Frieden in den hochentwickelten Ländern.
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| gewerkschaft, inflationsausgleich, lohnschere |
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