Ölschock ? Nein, völlig überflüssige Panikmache!
Bekanntlich sind seit dem Zerfall der Sowjetunion Rußland und Weißrußland zwei getrennte souveräne Staaten. Eine in Aussicht genommene Quasi-Handels- und Zollunion kam bisher nicht zustande. Somit sind beide Staaten den wirkenden Gesetzen des Welthandels unterworfen. Und die Staatsgrenzen sind Zollgrenzen!
Weißrußland hat von der früheren Zugehörigkeit zur SU enorme wirtschaftliche Vorteile gehabt. Nun, da Rußland die Handelspreise, vor allem für Erdöl und Erdgas, in Richtung der geltenden Welthandelspreise entwickeln möchte (und es ist eigentlich auch ökonomisch dazu gezwungen), kommt es zu atmosphärischen Störungen zwischen Moskau und Minsk. Die Medien schlußfolgern natürlich sofort, daß dies auch politische und ideologische Kontroversen zwischen Putin und Lukaschenko seien, an denen, wie könnte es auch anders sein, nur Putin die Schuld trüge. Er erpresse Weißrußland mit seinen finanziellen Forderungen, heißt es. Na so etwas! Wie nennt sich denn das, wenn z.B. Norwegen oder Großbritannien die Preise für Erdöl und Erdgas erhöht?
Die Dresdner wären froh, wenn sie ihre Energie von den DREWAG-Stadtwerken so billig beziehen könnten wie Weißrußland jetzt, ihnen kämen die Freudentränen ob der persönlichen Vorteile für die Haushaltkasse.
Das Geschwafel, nun bräche in der Europäischen Union und besonders in Deutschland der Ölnotstand aus, ist pure Panikmache und hängt sicherlich auch mit den seit langem miesen Pisa-Ergebnissen an deutschen Schulen zusammen. Wenn in Deutschland laut Vorschrift Ölvorräte vorhanden sind, die den kompletten Landesbedarf für ganze drei Monate zu decken in der Lage sind, dann ist es doch ganz einfach berechenbar, daß beim plötzlichen Ausfall nur eines Fünftels der Importlieferungen über diese drei Monate hinaus weitere 15 Monate die Versorgung komplett gesichert werden kann, ehe es nicht mehr reicht. Und wer will denn solchen Unfug glauben, daß es jemals zu einer derartigen Störung kommen könnte, bei aller absichtlich wieder geschürten Rußlandfeindlichkeit als Relikt des verblichenen kalten Krieges?
Seriöse Wirtschaftsexperten weisen immer wieder darauf hin, daß die Sowjetunion und nun auch Rußland bisher alle abgeschlossenen Verträge stets zuverlässig erfüllt haben. Und wenn solche Querulanten wie der Diktator Lukaschenko zukünftig die Transitgeschäfte so wenig wie nur möglich stören dürfen sollen, dann ist es doch ökonomische nur vernünftig, für Erdgas und / oder Erdöl eine direkte Trasse durch die Ostsee zu bauen. Dann gibt es solche Einflußnahmen auf den Energietransit nach Deutschland nicht mehr.
Im übrigen: Das Gejammer wegen der Importabhängigkeit bei Erdöl und Erdgas hilft nicht weiter. Einmal in nicht allzu langer Zeit ist damit sowieso Schluß. Helfen kann nur, endlich ernsthaft zu beginnen, rigoroses Energiesparen und radikale Erhöhung der Effizienz der Ausbeute und Anwendung von Energie durchzusetzen. Dazu gehören: Treibstoffverbrauch senken, Tempolimit einführen, Hybridantriebe und Wasserstoffzellen endlich technisch nutzen, Güterverkehr konsequent von der Straße auf die Schiene, überdurchschnittliche Förderung der ÖPNV, Einschränkungen des Energieverbrauchs durch überflüssigen Stand-By-Betrieb, moderate Heizung der Amtsstuben und Thermoregelung an allen Heizkörpern, statt durch Fensteröffnen die Entropie des Weltraums erhöhen zu wollen (das ist sowieso zum Scheitern veurteilt, nur wissen dies die meisten nicht!), Einsparungen bei Reklame- und Festbeleuchtungen sowie bei offen betriebenen Kühltruhen in der Lebensmittelbranche, Kraft-Wärme-Kopplung, Abwärmerückgewinnung durch Wärmetauscher und Wärmepumpen, um nur wenige Wirkungsfelder zu nennen.
Als Physiker müßte ich eigentlich die Energieerzeugung durch gelenkte Kernspaltung in „Atomkraftwerken“ (nur Elektrizität, denn die Wärmekopplungsenergie verbleibt zumeist aus Sicherheitsgründen intern im Mailergelände oder geht nutzlos in Flüsse und Seen, weil die Entfernungen zu Siedlungs- und Gewerbegebieten aus Sicherheitsgründen sehr groß sind) befürworten, jedoch haben die alten Bundesländer durch destruktives Abblocken bisher erfolgreich jede Endlagerstätte für den über Tausende von Jahren zu sichernden hoch- und mittelradioaktiven Abfall auf ihrem Territorium verhindert. Und dieses ungelöste Problem verbietet vernünftigerweise den Weiterbetrieb von Kernreaktoren.
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