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Alt 10.09.2010, 11:33
FrankN FrankN ist offline
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Standard AW: Alles Lobby - oder was?

Zitat:
Zitat von Silvia Beitrag anzeigen
Mit welcher Begründung ziehen Sie in Zweifel, dass die Gutachterin der Stadt Frau Seiche vor Gericht aussagte, bei einer Begehung mit einem Experten Exhuvien der Grünen Keiljungfer im Untersuchungsgebiet um die WSB nachgewiesen zu haben???
Zitat:
Zitat von Silvia Beitrag anzeigen
Auch das Landesumweltamt schickt ausgewiesene Experten los, um z.B. den Managementplan zur Entwicklung des FFH-Gebietes erstellen zu können. Die Leute, die sich vor Gericht darum gestritten haben, waren nicht Ehrenamtler mit zweifelhaften Kenntnissen, sondern u.a. studierte oder gar promovierte Biologen.
Wenn es um eine Aussage vor Gericht geht, ist es klar, dass man nicht einen Hobby-Insektenkundler* heranziehen wird, auch wenn dieser den Erst-Nachweis erbracht hat. Vor Gericht muss man schon etwas punkten, u.a. mit der Seriosität der Aussagenden. Und da kann ein Doktor-Titel o.ä. schon nicht schaden. Mir ging es aber nicht um die Situation vor Gericht – das ist nämlich eine völlig andere, sondern um die Art der ursprünglichen Datenerhebung. Wie konnte man zu Beginn jemals auf die Idee kommen, dass dort solche Tiere vorkommen? Worauf stützte man sich da?

(* Also mit Ihren Worten einen Menschen mit zweifelhaften Kenntnissen. Stellvertretend für all diese Leute: Schönen Dank!)

In Ihren geliebten Gerichtsurteilen kann man auch lesen: „Die Gutachterin hat in der FFH-Vorprüfung festgestellt, dass die Großlibelle den sächsischen Elbeabschnitt auf seiner gesamten Länge von ca. 180 km besiedelt, durchaus sehr weit fliegt und auch fernab von Gewässern gesichtet wurde. Wenn man sich gleichzeitig in Erinnerung ruft, wie der ideale Lebensraum aussieht: „Als idealer Habitattyp wird meist ein kleinerer, beschatteter Bach mit sandigem Grund und sauberem Wasser in Waldgebieten angegeben“ und wenn man sich weiterhin in Erinnerung ruft, dass man in dem letzten Gerichtsverfahren die Bedrohung der Libelle „lediglich auf die Gefahr des Kollisionsrisikos durch Kfz-Verkehr“ zurückführte (was widerlegt wurde**), dann dürfte unsere stark bedrohte Libelle als Larve eher in Bächen wie der Priesnitz und dem Mordgrundwasser vorkommen und später gelegentlich auch einmal bis zum WS-Areal fliegen. Dass es dann auch dort irgendwo einmal zu Eiablagen kommt und dass sich einige der Larven bis zur Metamorphose entwickeln, kann man sicher nicht ausschließen. Das habe auch ich nicht behauptet, aber es wird eher selten sein. Und eine Gefährdung dieser Art zu sehen, nur weil auf wenigen Metern (aus Ihrer Sicht natürlich im halben Elbtal) der Uferschlamm abgebaggert werden soll, ist doch völlig an den Haaren herbeigezogen. Das sagt einfach der gesunde Menschenverstand, auch wenn ein im Auftrag einer der Klägerpartei herangezogener Experte vor Gericht logischerweise etwas anderes behaupten wird.

Wenn ich spitzfindig wäre, könnte ich noch fragen, wie viele Larvenhäute Frau Seiche konkret fand und auf welcher konkreten Fläche? Aber lassen wir das.

(** „Zwar räumt die Gutachterin ein, dass bislang nur wenige Studien zur Erkundung der Störökologie von Libellen in Verbindung mit Straßen und ähnlichen Barrieren vorliegen und grundsätzlich ein Kollisionsrisiko besteht. Brücken ab einer lichten Höhe von 2,5 m würden von größeren Arten (Calopteryx- und Großlibellen-Arten) jedoch durchflogen“)
Zitat:
Zitat von Silvia Beitrag anzeigen
Die Vorkommensnachweise beziehen sich lt. Tabelle 9 in Unterlage 2 des Planänderungsantrages sowohl auf den Managementplan des FFH-Gebietes von 2009 …

Zwischenfrage: Wo haben Sie eigentlich all diese Unterlagen her?
Zitat:
Zitat von Silvia Beitrag anzeigen
Und in Tabelle 10 auf Seite 29 dieser Unterlage wird darauf verwiesen, dass ohne geeignete Schutzmaßnahmen von Individuenverlusten bei der Grünen Keiljungfer auszugehen sei. Als Schutzmaßnahme wurde das Aufrauhen des Bodens vor dem Abbaggern angegeben.

Naja, dann ist doch alles okay! Die vielen Tiere werden so gerettet ;-)
Zitat:
Zitat von Silvia Beitrag anzeigen
Da müssen die Ersteller des Planfeststellungsantrages Wikipedia nicht gelesen haben! Ich (…) halte aber die konkreten Untersuchungergebnisse im Standarddatenbogen und im Managementplan für aussagefähiger als einen Eintrag im Wikipedia.

Wikipedia muss man selbstverständlich immer anzweifeln (allerdings auch alle anderen Texte, da jeder Text von einem Menschen stammt und jeder Mensch sich irren kann, wenn man mal von Ihnen absieht). Wikipedia ist grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, wenn es um emotional oder ideologisch vorbelastete Dinge geht (WSB, Atomausstieg, Tokio Hotel …), manchmal steht schon über dem Artikel, dass man ihn quasi vergessen kann (Scientologie), aber in bestimmten Themenbereichen ist Wikipedia gar kein schlechter Anlaufpunkt. Und dazu gehören erfahrungsgemäß alle Themenpunkte, die mit der Beschreibung von Tier- und Pflanzenarten zu tun haben.
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