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Alt 26.06.2010, 01:50
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manfredfenn manfredfenn ist offline
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Exclamation Die andere Front – Heroin aus Afghanistan

In meinem Schreiben vom 06.04.2010 bat ich die Bundesjustizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger, Stellung zu beziehen, mir mitzuteilen, wie Sie einerseits den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan weiterhin verteidigen kann, wenn der Mohnanbau dort gestattet wird, und welche Maßnahmen Sie andererseits für die Bekämpfung der Drogenkriminalität in der Bundesrepublik geplant sind. Bis heute erhielt ich von Ihr keine Antwort.

Die Kabinettskollegen Westerwelle und zu Guttenberg, die ich gebeten hatte, mir den Krieg und die Kriegsgründe zu erläutern, antworteten umgehend und ausführlich. Die mir dargebotenen Erklärungen sind wohl nicht zufriedenstellend, doch immerhin wurden meine Schreiben schnellstens beantwortet.

Ich machte in meinem Schreiben auf die Drogenproblematik – sprich auf das Heroin aus Afghanistan - aufmerksam. Im Jahr 2001 wurden in Afghanistan ca. 150 Tonnen Schlafmohn geerntet. Seit dem Sturz der Taliban avancierte Afghanistan nun wieder zum größten Heroinexporteur der Welt. Mehr als 90% des weltweit konsumierten Heroins stammen aus Afghanistan. Offiziellen Angaben nach wurden in 2009 mehr als 6.900 Tonnen Schlafmohn, der Grundstoff für die Heroingewinnung, angebaut.

Die Folgen des Heroinkonsums für Europa und für die Bundesrepublik Deutschland behandeln der Trimbos-Report und der Reitox-Bericht. Auch dem Drogen- und Suchtbericht 2009 der ehemaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung Frau Sabine Bätzing sind furchtbare Fakten zu entnehmen.

An der anderen Front – der Drogenfront – sterben jedes Jahr weltweit mehr als hunderttausend Menschen. In 2009 starben allein in Russland 30.000 Junkies. Die Opfer des weiter unten beschriebenen Schneeballeffektes sind in diesen Zahlen nicht enthalten.


Und das ist nun die andere Front, die sich infolge des humanitären nicht internationalen Kriegseinsatzes der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan auftut:

Im Jahr 2009 starben 1.331 Menschen in Deutschland direkt infolge von Drogeneinwirkung. Fast die Hälfte, 571 (in Worten fünfhunderteinundsiebzig) fixten sich mit Heroin tot. Während also in 8 Jahren Krieg 43 deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben lassen mussten (wofür?), fielen 571 Menschen allein in 2009 in Deutschland unmittelbar an der Drogenfront.

Nicht mitgezählt sind diejenigen, die durch den Schneeballeffekt der Suchtdroge umkamen: Diejenigen, die sich beim Kontakt mit Heroinabhängigen mit AIDS/HIV, Hepatitis-B, Hepatitis-C und anderen Krankheiten infizierten und ein elendes Ende fanden. Hierzu sind die Freier der Drogenprostitution zu zählen und wiederum deren Ehefrauen und Kinder. Und weitere Menschen werden infiziert, die entsprechende Kontakte zu den anderen Opfern hatten.

Es erkranken Ärzte, Zahnärzte, Krankenhauspersonal, Polizisten, Helfer bei Unfällen etc. etc. die bei einem unglücklichen Kontakt mit dem Blut Infizierter in Berührung kommen, und auch sie tragen die Krankheiten weiter. Die Hepatitis-B kann bereits durch die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen werden. Einmal geniest und schon ist es geschehen.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der EBDD (europäische Drogenbeobachtungsstelle) Joao Goulao heute erklärte am 24.06.2010 dem Standard – Tageszeitung in Österreich -, dass das wachsende Heroinproblem seit Anfang der 80er Jahre zu mehr als 100.000 Todesfällen in Europa führte. Erfasst wurden jedoch nur die Todesfälle, die in direktem Zusammenhang mit dem Heroinkonsum standen, nicht die Sterbefälle, die Folge des Schnellballeffektes der Ansteckung und Verbreitung von AIDS/HIV und anderen tödlichen Krankheiten waren.

In ihrem jüngsten Bericht "Trends beim injizierenden Drogenkonsum in Europa" schätzt die EBDD, dass es in der EU heute zwischen 750.000 und einer Million aktive injizierende Drogenkonsumenten gibt. In den meisten Fällen handelt es sich um Heroinabhängige. Sicherlich liegt der Bericht bereits auf Ihrem Schreibtisch.

Ein hohes Bruttosozialprodukt ist für Finanz- und Wirtschaftsminister ein Merkmal einer prosperierenden Volkswirtschaft. Doch in die Summierung des BSP fließen auch die Ausgaben für die Bekämpfung der Drogenkriminalität ein. Ebenfalls wird diese Statistik durch die Aufwendungen im Gesundheitsbereich aufgebläht, Kosten, die auch durch die Behandlung der Heroinabhängigen und der durch den genannten Schneeballeffekt Erkrankten entstehen. Wie hoch ist der Anteil dieser Kosten am BSP der Bundesrepublik Deutschland?

Das Leiden betroffener Angehöriger von Abhängigen und Kranken wie auch das der Opfer der Drogenkriminalität lässt sich nicht in Zahlen fassen. Doch auch diese sind Kriegsopfer an der anderen Front des Afghanistankrieges.

Dem Bericht der Illustrierten „Stern“ „General MCCrazy fliegt, die Kriegslüge bleibt“ vom 24.06.2010 ist zu entnehmen, dass der Drogengroßhandel von der US-Regierung und daraus folgernd, auch von der Deutschen Bundesregierung geduldet wird. Die ISAF-Truppe steht nur noch in Afghanistan, weil sie mittlerweile die schlimmsten Verbrecher und Drogenhändler, wie den Halbbruder des Wahlbetrügers und Präsidenten von Afghanistan, Karzai, hofiert.

Der Verteidigungsminister Herr zu Guttenberg schrieb mir am 16.04.2010:
„Maßnahmen, die in Deutschland zur Drogenbekämpfung durchgeführt werden, stehen in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Drogenanbau in Afghanistan.“

Nun bitte ich Frau Leutheusser-Schnarrenberger in meinem Schreiben vom 25.06.2010, dem Verteidigungsminister zu erklären, dass zwischen dem Drogenanbau in Afghanistan und dem Drogenelend in der Bundesrepublik sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Während er an der Front in Afghanistan recht erfolglos kämpft, wird das Heroin in Hamburg zu Dumpingpreisen verkauft. Die Drogenhändler Afghanistans sind mit den Drogenhändlern weltweit, so auch in Deutschland, vernetzt.

Meine Schreiben und Antworten bezüglich des Krieges in und des Heroins aus Afghanistan finden Interessierte auf meiner Internetseite: www.manfredfenn.de
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