Einzelnen Beitrag anzeigen
  #2 (permalink)  
Alt 10.03.2010, 09:20
Trismeg Trismeg ist offline
Senior Member
 
Registriert seit: 15.11.2007
Beiträge: 231
Lightbulb AW: Vergangenheitsdebatte

Ich wage auf Ihren Beitrag zu erwidern, dass Hubertus Knabe vermutlich mehr Schaden an der Vergangenheitsaufarbeitung anrichtet als Nützliches. Seine Arbeitsweise ist unwissenschaftlich und ahistorisch. Durch sein pauschales Schmähen liefert er sogar den Tätern von damals Argumente für deren Kritik an der Aufarbeitung. Mir persönlich kommen seine Schriften vor wie das undifferenzierte Geeifer eines Parteifunktionärs der früheren SED. Zur historischen Erklärung der DDR leistet er im Grunde keinen wissenschaftlichen Beitrag. Das ist umso bedauerlicher, als wir damit in unserem Land Gefahr laufen, eine solche Vergangenheitsaufarbeitung ein zweites mal falsch anzupacken bzw. zu spät mit kühlem Verstand anzugehen. Nach 1945 und auch nach 1989 wurde jeweils ein ungerechtes Rechtssystem mehr zum Spielball von Parteiinteressen als zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Analyse. Vermutlich braucht es für eine solche noch zwei Generationen, ehe der Blick dafür souverän und unbefangen genug ist. Ein Hubertus Knabe hat diesen Blick nicht; im Gegenteil, an ihm zeigt sich ein später Triumph des SED-Regimes, nämlich die Unfähigkeit zur Differenz!



Zitat:
Zitat von Dieter v. Strauwitz Beitrag anzeigen
Vergangenheitsdebatte: Direktor der Birthler-Behörde unter Druck (dazu stehen am 08.03.2010 gleich drei Beiträge in der DNN)

Hört! Hört!

Da sitzt doch in der Birthler-Behörde zur Aufarbeitung der STASI-Unterlagen auf dem Sessel des Direktors tatsächlich ein „DDR-Sympathisant“. Er heißt Hans Altendorf und hat diesen Posten seit 2001 inne. Nun hat der Möchtegern-Historiker, Herr Doktor Hubertus Knabe, mit seinem Zwang nach antikommunistischem Enthüllungsjouralismus wieder einen vermeintlich brisanten Fall aufgestochen! In der DNN vom 08.03.2010 liest sich das aus der Feder vom DNN-Korrespondenten Armin Görtz neben vielem anderen folgendermaßen:

„Hans Altendorf, die Nummer 2 in der Birthler-Behörde, gerät unter Druck. Er war offenbar jahrelang in kommunistischen Tarnorganisationen in der Bundesrepublik tätig – im Weltfriedensrat und in der Initiative „Weg mit den Berufsverboten“. (Ende des Zitates).

Toll! Beide Organisationen waren offiziell in Westdeutschland zugelassen und damit legal tätig. Ihre Tätigkeiten, Mitglieder und nationalen wie internationalen Aktivitäten waren also bekannt. Der Weltfriedensrat in der BRD war Teil des weltumspannenden Weltfriedensrates. Man braucht nur zu googeln oder zu wikipedianern, um z.B. zu erfahren, welche internationalen Persönlichkeiten in den Gremien mitwirkten und z.B. auch nationale und internationale Preise bekamen. Wesentliche Bestrebungen der politischen Arbeit dieser Gremien fanden Eingang in die Beschlüsse der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), zum Segen für ganz Europa, besonders aber für die Menschen hinter dem „Eisernen Vorhang“. Die Schlussakte von Helsinki wurde am 1. August1975 abgeschlossen.

Dazu muss man wissen: Erste Anregungen zu einer solchen "europäischen Sicherheitskonferenz" gab es bereits in den 1950er Jahren. 1954 schlug der sowjetische Machthaber Nikita Chruschtschow erstmals eine solche Konferenz vor, ein weiterer Vorschlag erfolgte 1957 durch den polnischen Außenminister Adam Rapacki. Westliche Vorbehalte (insbesondere von deutscher Seite) verhinderten jedoch lange das Zustandekommen einer solchen Konferenz, die der Hallstein-Doktrin widersprochen hätte. Erst die neue deutsche Ostpolitik unter Willy Brandt schuf die Voraussetzung für das Zustandekommen der Konferenz. Am 26. Februar 1972 stimmte US-Präsident Richard Nixon beim Gipfeltreffen mit Leonid Breschnew in Moskau nach Absprache mit den westlichen Verbündeten der Eröffnung der Konferenz zu (zitiert nach Wikipedia).

Was also Herr Doktor Hubertus Knabe in seinem tief sitzenden Hass auf alles, was mit DDR, Sozialismus, Kommunismus und Sowjetunion zu tun hat oder den Anschein erwecken soll, damit zu tun gehabt zu haben, wieder einmal mit Verdächtigungen und Halbwahrheiten ans Zwielicht der manipulierten Öffentlichkeit hervorzuzerren sich nicht verkneifen kann, ist so, wie er es darstellt, wieder einmal einseitig und eines Historikers eigentlich unwürdig, so, wie er es leider bereits viele Male praktiziert hat, ohne die gebotene Objektivität und Zurückhaltung zu wahren und Quellen zu benennen, wie es sich für einen seriösen Historiker geziemt. Das hatten seine vielzähligen Kritiker schon so oft dringend angemahnt.

Diese Art von Skandal- und Enthüllungsjournalismus im Springerstil mag ich nicht! Sie entbehrt außerdem jeglicher sachlichen Grundlage. Viel mehr würde ich mich dafür interessieren, wenn solche Historiker vom Schlage eines Knabes einmal eine möglichst vollständige Liste der früheren und auch der noch jetzt tätigen deutschen inoffiziellen Mitarbeiter der CIA und anderer US-Geheimdienste veröffentlichen würden, damit man endlich einordnen kann, warum sich bestimmte Funktionäre in Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft und Öffentlichkeit der alten und neuen BRD so und nicht anders verhalten haben und immer noch verhalten! Immerhin ist diese CIA vom früheren Londoner Oberbürgermeister Kenneth Robert Livingstone von der Labour-Party als die derzeit größte Verbrecherorganisation auf der Welt charakterisiert worden. Da will man schon gern wissen, wer da als IM für solch einen Laden tätig war bzw. ist.

Dieter v. Strauwitz
Mit Zitat antworten