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Alt 12.10.2009, 17:55
chr.dresden chr.dresden ist offline
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Standard AW: 20 Jahre Mauerfall

Zitat:
Zitat von Walter Schleiff Beitrag anzeigen
"Dämlich" war bewußt provokant. Aber diese Umfragen gegehn mir gelinde gesagt auf den Geist, weil sie im Grunde keine verwertbare Aussage hervorbringen. Denn allein die Tatsache, dass jemandes Erwartungen enttäuscht wurden, besagt doch gar nichts. In einer zeit der Euphorie, wie sie 1989/90 wohl die allermeisten in Deutschland erfasst hatte, ist die Gefahr besonders groß, dass die Erwartungen ins Kraut schießen. Gemessen an 19990 wurden auch meine Erwartungen enttäuscht. Weil ich von völlig falschen Voraussetzungen ausgegangen bin. Der Zustand dieses Landes war damals weitaus schlechter als man selbst schon sehen und fühlen konnte. Damals ist auchnicht nur der marode Arbeiter-und-Bauern-Staat in sich zusammengefallen, sondern das gesamte Sowjetimperium. Es war im Grunde eine Wirtschaftskrise von gigantischem Ausmaß, über die sich die meisten (auch im Westen) aber keine Gedanken gemacht haben, weil die politischen Folgen des Umbruchs ganz klar im Vordergrund standen. Das Erdbeben beim Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur im Ostblock hat sozusagen einen Tsunami in der Wirtschaft ausgelöst, der, so gewaltig er war, erst nach einiger zeit für die Menschen spürbar wurde. Die politische Aufbruchstimmung hat die wirtschaftlichen Probleme zunächst überlagert.

Ob "man" damals das eine oder andere anders und besser hättte machen können, ist eine müßige Frage, die man nur mit "ja" beantworten kann. man ist immer schleuer, wen man aus dem Rathaus wieder herauskommt. das Nachkarten ist nur von begrenztem Wert.

Die Mär von der zweiten Chance für den dann "richtigen" Sozialismus, an die ich nicht glaube, wird man auf ewig singen können. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hatte damals zu recht die Nase voll vom Dasein als Versuchskaninchen. Man kann den Bonzen der DDR vorwerfen, was man will. Aber es bestand ja wohl kein geheimer Plan, diesen Staat DDR unter dem Vorwand des Aufbaus des Sozialismus vorsätzlich zugrunde zu richten. Man hat nur konsequent in ideologischer Verbohrtheit eine Ökonomie betrieben, die zum Scheitern verurteilt war.
"Kommt die D-Mark, bleiben wir - kommt sie nicht, geh' n wir zu ihr", lautete ein bekannter Spruch. Das Reservat "DDR" zum Aufbau des Sozialismus mit menschlichem Antlitz hätte sich für einen neuen Anlauf auch neue Versuchskaninchen suchen müssen.

Die große Mehrheit der Deutschen hat auch heute noch die nase voll von sozialistischen Experimenten, wie auch die letzte Wahl gezeigt hat. Und das in einer zeit, in der sich mal wieder gezeigt hat, welche Gefahren auch in einem marktwirtschaftlichen System stecken.

W.S.
Respekt, Herr Schleiff! Sie sprechen mir aus dem Herzen.
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